Um sich vor Gesundheitsrisiken durch Plastik zu schützen, sollten frische und unverpackte Lebensmittel bevorzugt und Glas- oder Edelstahlbehälter anstelle von Plastik benutzt werden. Foto: © arborpulchra/stock.adobe.com
Eine Belastung durch Kunststoffe während der Schwangerschaft und in der Kindheit kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben – von Entwicklungsproblemen bis hin zu chronischen Erkrankungen im Erwachsenenalter. In The Lancet Child & Adolescent Health fordert daher ein internationales Team von Fachleuten verstärkte Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen sowie politische Schritte zur Risikominimierung.
Die Arbeitsgruppe um Leonardo Trasande von der New York University Grossman School of Medicine betont, dass die gesundheitlichen Gefahren vielfältig und inzwischen gut belegt sind. In Kunststoffen enthaltene Chemikalien wie Phthalate, Bisphenole oder per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) wirken hormonell störend und erhöhen das Risiko für Frühgeburten, geringes Geburtsgewicht, neurologische Entwicklungsstörungen, Übergewicht, Diabetes oder Fruchtbarkeitsprobleme.
Darüber hinaus entstehen bei der Verbrennung von Plastikprodukten Dioxine und weitere Schadstoffe, die mit Atemwegs-, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen in Zusammenhang gebracht werden.
Prävention im Alltag von Familien
Trasande und seine Mitautor:innen weisen darauf hin, dass es einfache und sichere Möglichkeiten gibt, die Belastung von Kindern zu verringern – diese würden in der Praxis der Primärprävention jedoch bisher unzureichend genutzt. Ärztinnen und Ärzte seien in besonderem Maße gefordert, Risikogruppen wie Schwangere über die Gefahren von Kunststoffen aufzuklären und ihnen konkrete Strategien zur Reduktion der Exposition zu vermitteln. Empfohlen wird unter anderem, frische und unverpackte Lebensmittel zu bevorzugen, Lebensmittel in Glas- oder Edelstahlbehältern aufzubewahren und phthalatfreie Babyprodukte zu wählen.
Reduktion in Klinik und Praxis
Auch im medizinischen Alltag lassen sich Belastungen durch Kunststoffe senken. Der Austausch von Infusionsschläuchen, Blutbeuteln oder anderen medizinischen Produkten, die Phthalate oder Bisphenole enthalten, gegen weniger belastende Alternativen kann nachweislich die Exposition reduzieren. Ergänzend empfehlen die Autorinnen und Autoren umweltfreundlichere Sterilisationsverfahren sowie eine Verringerung des Plastikmülls im klinischen Bereich – Maßnahmen, die bislang kaum genutzt werden, aber erhebliches Potenzial haben.
Darüber hinaus fordern die Autor:innen insbesondere Ärzt:innen auf, sich auch politisch zu engagieren. Anlass ist das derzeit verhandelte Global Plastics Treaty (Plastikkonvention), ein geplantes internationales Abkommen zur Eindämmung der Plastikverschmutzung, das neben der Abfallbewältigung ausdrücklich auch den Gesundheitsschutz berücksichtigt.
Obwohl die jüngste Verhandlungsrunde im August dieses Jahres in Genf ohne Einigung endete, sprechen sich weiterhin über 120 Staaten für ein ehrgeiziges Abkommen aus, das den Schutz von Schwangeren und Kindern klar einbezieht.
Die Fachgruppe ruft Angehörige aller Gesundheitsberufe dazu auf, diesen Prozess aktiv zu unterstützen – etwa durch Aufklärung nationaler Behörden und Entscheidungsträger über die gesundheitlichen Risiken von Kunststoffexposition sowie durch Engagement in Fachgesellschaften oder Berufsverbänden für strengere Regelungen.
Quelle: Hyman, S., Acevedo, J., Giannarelli, C., & Trasande, L. (2025). Phthalate exposure from plastics and cardiovascular disease: global estimates of attributable mortality and years life lost. EBioMedicine, 117, 105730. https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2025.105730 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 22.9.2025 ∙ DHZ
