Weltweit sind Untergewicht, Stunting und Wasting für 18,8 % aller Todesfälle in den ersten fünf Lebensjahren verantwortlich. Foto: © agarianna/stock.adobe.com

Während die Zahl der übergewichtigen und adipösen Menschen weltweit stetig zunimmt, kämpfen insbesondere in Afrika und Südasien noch immer viele Kinder in den ersten Lebensjahren mit den Folgen von Mangelernährung. Laut einer Studie in Lancet Child & Adolescent Health waren 2023 weltweit 880.000 Todesfälle in den ersten fünf Lebensjahren auf Untergewicht, Stunting (Wachstumsverzögerung) und Wasting (Auszehrung) zurückzuführen. Diese Mangelernährungsfolgen stellen die größten Gesundheitsrisiken dar. Untergewicht bedeutet, dass das Körpergewicht im Verhältnis zum Alter zu gering ist, beim Stunting sind Kinder für ihr Alter zu klein, und beim Wasting ist das Gewicht im Verhältnis zur Körpergröße zu niedrig.

Erschwertes Stillen

Diese Probleme können bereits während der Schwangerschaft entstehen, wenn eine Mangelernährung der Mutter zu Frühgeburten oder zu Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht führt. In der Stillzeit haben Mütter oft nicht genug Milch, um ihre Kinder ausreichend zu ernähren. In den ersten Lebensjahren verhindern häufig Durchfallerkrankungen und Atemwegsinfektionen das Wachstum der Kinder. In Afrika kommt zusätzlich die Malaria als Risikofaktor hinzu. Auch Masern stellen weltweit eine häufige Krankheit in den ersten Lebensjahren dar, wobei Gedeihstörungen den Verlauf der Krankheit verschlimmern und oftmals tödlich enden.

Obwohl sich die Situation der frühkindlichen Wachstumsstörungen in den letzten Jahrzehnten verbessert hat, sind die Zahlen nach wie vor alarmierend. 2000 verstarben laut Berechnungen eines Teams um Robert Reiner vom Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle noch 2,75 Millionen Kinder an den Folgen von Untergewicht, Stunting und Wasting. 2023 waren es nur noch 880.000, wobei 618.000 dieser Todesfälle in Ländern südlich der Sahara und 165.000 in Südasien verzeichnet wurden.

Infektionskrankheiten durch geschwächte Abwehrkräfte

Besonders betroffen waren Nigeria mit 188.000 Todesfällen, gefolgt von Indien mit 112.000 und der Demokratischen Republik Kongo mit 50.800 Todesfällen. In wohlhabenderen Ländern waren es lediglich etwa 623 Todesfälle aufgrund von Mangelernährung, die meist in Einzelfällen auf extreme psychosoziale Umstände zurückzuführen sind.

Weltweit sind Untergewicht, Stunting und Wasting für 18,8 % aller Todesfälle in den ersten fünf Lebensjahren verantwortlich. Die Kinder sterben nicht direkt an den Wachstumsstörungen, sondern an Infektionskrankheiten, die durch die geschwächten Abwehrkräfte aufgrund der Mangelernährung begünstigt werden. In Afrika südlich der Sahara gingen 77 % der Todesfälle auf Durchfallerkrankungen und 65 % auf Atemwegsinfektionen zurück, die wiederum durch Mangelernährung verschärft wurden. In Südasien lagen die entsprechenden Anteile bei 79 % bzw. 53 %.

Die überlebenden Kinder erholen sich selten vollständig von den Wachstumsstörungen und bleiben auch im Erwachsenenalter untergewichtig und kleiner als der Durchschnitt. Untergewichtige Frauen bringen dann oft ebenfalls untergewichtige Kinder zur Welt, wodurch sich der Teufelskreis der Mangelernährung nur schwer durchbrechen lässt.

Quelle: Troeger, C. E., et al. (2024). Quantifying the fatal and non-fatal burden of disease associated with child growth failure, 2000–2023: A systematic analysis from the Global Burden of Disease Study 2023. The Lancet Child & Adolescent Health, 10(1), 22–38. https://doi.org/10.1016/S2352-4642(23)00345-6 ∙Deutsches Ärzteblatt, 20´9.12.2025 ∙ DHZ