Die Intelligenzleistung von Kindern, die pränatal selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) ausgesetzt waren, scheint durch zusätzliche SSRI-Exposition über die Muttermilch nicht beeinträchtigt zu werden. Foto: © Romanova Anna/stock.adobe.com

Die kognitive Entwicklung von Kindern, die bereits intrauterin selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) ausgesetzt waren, wird offenbar nicht zusätzlich beeinträchtigt, wenn es während der Stillzeit zu einer weiteren Exposition über die Muttermilch kommt. Darauf weist eine prospektive Kohortenstudie hin.

Grundlage der Analyse war die MotherToBaby-California-Kohorte. Untersucht wurden 97 Mutter-Kind-Dyaden, bei denen die Mütter in der Schwangerschaft SSRI eingenommen hatten. Im Alter von vier bis fünf Jahren wurden die Kinder mit standardisierten neurokognitiven Verfahren getestet, konkret mit der Wechsler Preschool and Primary Scale of Intelligence.

Von den 97 Kindern hatten 22 während der Stillzeit Kontakt zu SSRIs, 37 wurden zwar gestillt, jedoch ohne postnatale SSRI-Exposition, und 38 Kinder wurden nicht gestillt. Erfasst wurde die Intelligenzleistung der Kinder.

SSRI-Exposition während des Stillens

Das Forschungsteam um Essi Whaites Heinonen vom Karolinska-Institutet in Huddinge verweist darauf, dass in früheren Studien bei pränataler SSRI-Exposition teilweise niedrigere Intelligenzwerte beschrieben wurden. Diese Zusammenhänge hätten sich jedoch nach Berücksichtigung von Einflussfaktoren, die mit der mütterlichen Grunderkrankung assoziiert sind, meist deutlich abgeschwächt oder aufgehoben.
»Aber welche Auswirkungen es auf die Intelligenz hat, wenn die SSRI-Exposition auch während des Stillens fortbesteht, wurde bislang noch nicht untersucht«, so die Autorinnen und Autoren.

Verglichen wurden Gesamt-IQ, verbaler IQ und Handlungs-IQ, adjustiert unter anderem für Alter, Geschlecht und Frühgeburtlichkeit. Zwischen gestillten Kindern mit postnataler SSRI-Exposition und gestillten Kindern ohne eine solche Exposition zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in den adjustierten Intelligenzwerten.

Stillen möglicherweise mit Vorteilen verbunden

Im Vergleich zu nicht gestillten Kindern wiesen gestillte Kinder mit postnataler SSRI-Exposition zunächst höhere Gesamt- und Handlungs-IQ-Werte auf. Nach zusätzlicher Adjustierung für die mütterliche Stimmungslage während der Schwangerschaft verloren diese Unterschiede jedoch ihre statistische Signifikanz.

Insgesamt legen die Ergebnisse nahe, dass eine zusätzliche SSRI-Aufnahme über die Muttermilch die Intelligenzentwicklung von Kindern mit pränataler SSRI-Exposition nicht nachteilig beeinflusst. »Zwar haben wir keine anderen neuropsychologischen Parameter untersucht, aber die Daten deuten darauf hin, dass Stillen während der SSRI-Therapie ermutigt werden sollte«, fassen die Forschenden zusammen.

Quelle: Heinonen, E. W., Kao, K., Mattson, S. N., & Chambers, C. D. (2025). Cognitive outcomes of children exposed to selective serotonin reuptake inhibitors through breast milk. JAMA Network Open, 8(11), e2544989. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2025.44989 ∙ Ärzteblatt.de, 22.12.2025 ∙ DHZ