Auf eine geplante In-vitro-Fertilisation kann bei adipösen Frauen mit Kinderwunsch nach einer mäßigen Gewichtsreduktion laut den Ergebnissen einer Metaanalyse häufig verzichtet werden. Illustration: © phonlamaiphoto/stock.adobe.com
Bereits eine moderate Gewichtsabnahme von wenigen Kilogramm kann bei adipösen Frauen die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft deutlich steigern. Nach den Ergebnissen einer aktuellen Metaanalyse, veröffentlicht in den Annals of Internal Medicine, kann dadurch in vielen Fällen sogar auf eine geplante In-vitro-Fertilisation (IVF) verzichtet werden.
Adipositas ist ein relevanter Risikofaktor für weibliche Infertilität. Pathophysiologisch spielen dabei Störungen des endokrinen Gleichgewichts, eine Insulinresistenz sowie ovulatorische Dysregulationen eine Rolle. Besonders häufig tritt zudem das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) auf, das eng mit Übergewicht assoziiert ist und die Fertilität zusätzlich beeinträchtigt.
Aus diesem Grund empfehlen Fachgesellschaften betroffenen Patientinnen in der Regel eine Gewichtsreduktion. In Großbritannien ist die Finanzierung einer IVF durch das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) sogar an die Voraussetzung gebunden, den Body-Mass-Index (BMI) unter 30 zu senken.
Die Evidenzlage zu den tatsächlichen Effekten einer Gewichtsreduktion auf Schwangerschafts- und Geburtenraten war bislang jedoch begrenzt. Für ihre Metaanalyse werteten Moscho Michalopoulou und Kolleg:innen von der Universität Oxford 12 randomisierte Studien mit insgesamt 1.921 adipösen Frauen aus, die eine IVF-Behandlung in Anspruch nehmen wollten.
Die untersuchten Interventionen reichten von Bewegungsprogrammen über diätetische Maßnahmen bis hin zur Einnahme von Pharmaka. Moderne GLP-1-Rezeptoragonisten waren dabei noch nicht Gegenstand der Studien. Der mittlere Gewichtsverlust fiel mit 4,1 kg (95-%-KI: 1,77–6,43 kg) vergleichsweise gering aus.
Trotzdem zeigte sich ein signifikanter Nutzen: Die Schwangerschaftsrate konnte um 21 % gesteigert werden. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei spontanen Konzeptionsraten, die deutlich anstiegen. Ein gesicherter Vorteil für die Erfolgsrate nach IVF ließ sich hingegen nicht nachweisen.
Ein weiterer Fokus der Analyse lag auf potenziellen Risiken für den Schwangerschaftsverlauf. Hinweise auf eine Zunahme unerwünschter Ereignisse fanden sich nicht: Das Risiko für einen Abort war nicht relevant erhöht. Die Rate an Lebendgeburten zeigte dagegen nur einen tendenziellen Anstieg.
Quelle: Michalopoulou, M., Jebb, S. A., Hobson, A., Khaw, S. C., Stevens, R., Melo, P., Haffner, S. J. P., Sheridan Clay, K., Mounsey, S., Granne, I., Lim, L., Child, T., & Astbury, N. M. (2025). The Effect of Weight Loss Before In Vitro Fertilization on Reproductive Outcomes in Women With Obesity : A Systematic Review and Meta-analysis. Annals of internal medicine, 10.7326/ANNALS-24-01025. Advance online publication. https://doi.org/10.7326/ANNALS-24-01025 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 25.8.2025 ∙ DHZ
