Schwangere, die unter Migräne leiden, können von einer Akupunktur der Siguan-Punkte besonders profitieren, zumal ein Verzicht auf Analgetika in dieser Zeit von vielen gewünscht wird.
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Migräne zählt weltweit zu den großen Herausforderungen der Medizin, wobei pharmakologische Therapien häufig eine begrenzte Wirksamkeit zeigen. Vor allem in sensiblen Lebensphasen wie Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett wollen viele Frauen überflüssige pharmakologische Therapien und damit auch unerwünschte Nebenwirkungen vermeiden.

Bei der Behandlung von Migräne zeigen die Siguan-Punkte ein gutes therapeutisches Potenzial. Diese Punkte beschreiben die beidseitigen Akupunkturpunkte Hegu (L14) und Taichong (LR3), die in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gegen Schmerzen behandelt werden. Wie jedoch lässt sich die Evidenzlage der Akupunktur der Siguan-Punkte zur Migränebehandlung (SPBAT) verlässlich beschreiben? Hierzu wurde kürzlich in China eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zur klinischen Effektivität und zu neurovaskulären Regulationsmechanismen durchgeführt.

Eingeschlossen wurden 19 randomisiert-kontrollierte Studien (n=1.312), die bis Januar 2025 veröffentlicht wurden. Verglichen wurde die Effektivität der SPBAT mit verschiedenen Standardmedikationen wie beispielsweise Ibuprofen oder Flunarizin. Die GRADE-Bewertung (Grading of Recommendations, Assessment, Development and Evaluation) zeigte moderate bis niedrige Evidenzsicherheit der eingeschlossenen Studien.

Die Ergebnisse zeigten eine signifikant bessere klinische Effektivitätsrate, eine geringere Kopfschmerzintensität, einen signifikanten Rückgang der Migräneanfälle sowie einen geringeren Analgetikaverbrauch auf.

Signifikant bessere klinische Effektivitätsrate

Es zeigte sich, dass sich die klinische Effektivitätsrate signifikant verbesserte (RR 1,22; 95 %-KI, 1,14–1,31). Zudem nahm der Gesamtsymptomscore nach SPBAT ab (MD -1,87; 95 %-KI, -2,61–1,13).

Kopfschmerzintensität geringer

Die Intensität der Kopfschmerzen nahm nach SPBAT ab (MD -1,11; 95 %-KI, -1,50–0,73).

Signifikant weniger Migräneanfälle

Die Häufigkeit der Migräneanfälle ging signifikant zurück (SMD -0,81 (95%-KI, -1,49–0,14). Zudem traten die Migräneanfälle an weniger Tagen pro Monat auf (-0,70; 95 %-KI, -1,13–0,27).

Geringerer Analgetikaverbrauch

Nach SPBAT nahm der durchschnittliche Analgetikaverbrauch ab (SMD -2,16; 95%-KI, -3,94—0,38)).

Vielversprechende Alternative

Die therapeutische Wirkung der Siguan-Punkte wird über die integrierte Modulation zentraler Schmerzverarbeitungsnetzwerke und peripherer neurovaskulärer Signalwege erklärt. Es kommt zu einer Verbesserung der zerebralen Hämodynamik. Aus Sicht der Autor:innen stellt SPBAT eine vielversprechende Alternative zur pharmakologischen Therapie der Migräne dar. Die signifikante Reduktion der Schwere, Dauer und Häufigkeit von Migräneattacken zeigt die klinische Relevanz auf, die mit SPBAT einhergeht.

Anmerkung:

Die systematische Übersichtsarbeit wurde nicht spezifisch auf der Basis von Studien in der reproduktiven Lebensphase durchgeführt, sondern unter allen verfügbaren Studien zum Themenkomplex SPBAT in der Durchschnittsbevölkerung. Darüber lässt sich die aktuelle Evidenzlage umfassend darstellen. So wäre hierzu zukünftig weitere spezifische Forschung während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett wünschenswert, um die besondere Bedürfnisse in diesen Lebensphasen umfassend zu evaluieren.

Quelle: Zhang, X.-R, et al. (2025). Siguan points-based acupuncture treatment for migraine: A systematic review with meta-analysis of clinical efficacy and neurovascular regulatory effects. Complementary Therapies in Clinical Practice. ∙ Beate Ramsayer/DHZ

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