Prämenstruelle Beschwerden können mehr als nur zyklusbedingte Symptome sein – sie weisen möglicherweise früh auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin. Foto: © SB Arts Media/stock.adobe.com
Frauen mit prämenstruellen Beschwerden – insbesondere dem prämenstruellen Syndrom (PMS) oder der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS) – haben laut einer aktuellen schwedischen Kohortenstudie, deren Ergebnisse in der Nature Cardiovascular Research erschienen sind, ein leicht erhöhtes Risiko, im späteren Leben kardiovaskuläre Erkrankungen zu entwickeln. Besonders deutlich ist dieser Zusammenhang bei Herzrhythmusstörungen und ischämischen Schlaganfällen.
In der Langzeitstudie wurden 99.411 Frauen mit prämenstruellen Beschwerden bis zu 22 Jahre lang beobachtet. Zum Vergleich wurden sowohl Frauen ohne prämenstruelle Beschwerden aus der Allgemeinbevölkerung herangezogen als auch Schwestern der Betroffenen, um familiäre und genetische Einflussfaktoren zu kontrollieren. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen war im Vergleich zu Frauen ohne PMS/PMDS um rund 10 % erhöht. Im Vergleich lag die adjustierte Hazard Ratio (aHR) bei 1,11 (95 % KI 1,08–1,13), in der Geschwisteranalyse bei 1,10 (95 % KI 1,06–1,15). Bei Herzrhythmusstörungen war das Risiko sogar um 31 % höher (Populationsvergleich: HR 1,31; 95 % KI 1,25–1,37), für ischämische Schlaganfälle um 27 % (Geschwisteranalyse: HR 1,27; 95 % KI 1,08–1,50). Diese Ergebnisse blieben auch dann bestehen, wenn Lebensstilvariablen wie Rauchen oder BMI oder psychische Vorerkrankungen berücksichtigt wurden.
Besondere Aufmerksamkeit sollte Frauen gelten, bei denen PMS bereits vor dem 25. Lebensjahr diagnostiziert wurde (Geschwisteranalyse: HR 1,41; 95 % KI 1,09–1,82) oder die eine postnatale Depression erlebt haben (Geschwisteranalyse: HR 1,68; 95 % KI 1,27–2,22). In diesen Gruppen zeigte sich ein nochmals deutlich erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.
Die genauen Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt. Die Forschenden vermuten, dass eine Fehlregulation des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS), chronische Entzündungsprozesse oder metabolische Veränderungen eine Rolle spielen könnten. Diese Mechanismen sind bekannt dafür, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen.
Für die Hebammenarbeit bedeutet dies: PMS sollte nicht nur als temporäre Belastung in der zweiten Zyklushälfte betrachtet werden, sondern auch als möglicher Marker für ein erhöhtes langfristiges Gesundheitsrisiko. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit – etwa mit Gynäkologie, Psychosomatik und Kardiologie – kann helfen, Risikopatientinnen frühzeitig zu erkennen und präventiv zu begleiten.
Quelle: Yang, Y., Bränn, E., Zhou, J., Wei, D., Bergstedt, J., Fang, F., Valdimarsdóttir, U. A., Bertone-Johnson, E., & Lu, D. (2025). Premenstrual disorders and risk of cardiovascular diseases. Nature cardiovascular research, 10.1038/s44161-025-00684-4. Advance online publication. https://doi.org/10.1038/s44161-025-00684-4 · Deutsches Ärzteblatt, 28.07.2025 · DHZ
