Gemüse und Vollkornprodukte wirken sich bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen günstig auf den Darm aus. Foto: © di_media/stock.adobe.com
Schwangere Frauen, die an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden, zeigen in ihrer Vaginalschleimhaut deutlich höhere Werte entzündungsfördernder Moleküle als gesunde Schwangere. Eine neue Studie, die in PLOS One veröffentlicht wurde, legt nahe, dass eine gesündere Ernährung dazu beitragen könnte, diese Entzündungsprozesse zu verringern.
Schwangere mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Inflammatory Bowel Disease, IBD) haben allgemein ein erhöhtes Risiko für eine bakterielle Vaginose. Diese wiederum kann das Risiko für Frühgeburten und ein geringes Geburtsgewicht erhöhen. Für ihre Studie rekrutierten Daniela Vargas-Robles und ihr Team von der University of Massachusetts Chan Medical School in Worcester 48 Schwangere im dritten Trimester. Davon litten 23 an einer IBD, darunter 18 mit Morbus Crohn und 5 mit Colitis ulcerosa. Als Vergleichsgruppe dienten 25 gesunde Schwangere.
Mehr als die Hälfte der IBD-Gruppe war zum Zeitpunkt der Studie bereits in Remission. Dennoch zeigten sie weiterhin signifikant erhöhte Werte für Darmentzündungen, gemessen am fäkalen Calprotectin, einem etablierten Marker für intestinale Entzündungsprozesse. Die Untersuchung der Vaginalabstriche ergab, dass die Vaginalschleimhaut von Frauen mit IBD deutlich mehr proinflammatorische Zytokine produzierte als die der gesunden Kontrollgruppe. Hierzu gehörten die Moleküle Interleukin-(IL)-6, IL-8 und IL-17. Das immunregulierende Zytokin Interferon (IFN)-γ sowie das entzündungshemmende Molekül IL-4 waren hingegen herunterreguliert. Die Forschenden betonen, dass in früheren Studien eine geringere Expression von vaginalem IFN-γ und IL-4 mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten in Verbindung gebracht wurde.
Die Vielfalt und Zusammensetzung der vaginalen Mikrobiota zeigten jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Frauen mit IBD und den gesunden Kontrollpersonen.
Zusammenhang mit Ernährung
Die Forscher:innen untersuchten zudem, welchen Einfluss die Ernährung auf das Mikrobiom und die Zytokinproduktion hatte. Wenn die Teilnehmerinnen mehr Gemüse und weniger zugesetzten Zucker konsumierten oder insgesamt eine qualitativ hochwertigere Ernährung hatten, waren positive Effekte in beiden Gruppen zu beobachten: Eine gesündere Ernährung ging mit höheren Konzentrationen des Bakteriums Lactobacillus crispatus einher. Im Vergleich zu anderen Lactobacillus-Arten schafft Lactobacillus crispatus ein stark saures vaginales Milieu (pH < 4,5), das für Keime, die mit bakterieller Vaginose assoziiert sind, ungünstig ist. Daher gilt seine Dominanz als besonders schützend, erklärt das Forschungsteam um Vargas-Robles.
Bei Schwangeren mit IBD, die vermehrt Gemüse und Vollkornprodukte wie braunen Reis und Quinoa aßen, wurden niedrigere Konzentrationen des proinflammatorischen IFN-γ in der Vaginalschleimhaut festgestellt. Zudem waren die antientzündlich wirkenden IL-4-Spiegel bei denen, die weniger zugesetzten Zucker konsumierten, erhöht.
Im Allgemeinen wirken sich Gemüse und Vollkornprodukte bei IBD positiv auf den Darm aus, während Personen mit dieser Erkrankung den Konsum von Milchprodukten und zugesetztem Zucker einschränken sollten, so die Forschenden. Diese Lebensmittel haben sowohl positive als auch negative Effekte auf intestinale Entzündungen, Krankheitssymptome und die Darmflora. Die Ergebnisse der aktuellen Studie deuten darauf hin, dass die Auswirkungen der Ernährung über den Darm hinausreichen.
Quelle: Vargas-Robles, D., Kaur, G., Yalavarthi, S., & Jones, C. S. (2026). Impact of diet on vaginal cytokine expression and microbiota composition in pregnant women with inflammatory bowel disease. PLOS ONE, 11(6), e0335178. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0335178 ∙ Ärzteblatt.de, 15.1.2026 ∙ DHZ
