Im Klinikum Lüneburg betreut eine Hebamme die werdende Mutter bis zur Geburt des Kindes – zum Schluss wird eine zweite Hebamme hinzugerufen. Foto: © nasharaga/stock.adobe.com
Das Klinikum Lüneburg erweitert sein Angebot: Seit diesem Monat können Frauen auch ausschließlich in Begleitung von Hebammen gebären. Ärzt:innen stehen zur Not immer bereit. Wenn aber nichts dazwischenkommt, betreut eine Hebamme die werdende Mutter so lange, wie die Geburt dauert – zum Schluss wird eine zweite Hebamme dazu gerufen. Das aufwendige Projekt wurde ein Jahr für alle Eventualitäten geplant und mit personeller Verstärkung angegangen. »Lieber gut vorbereiten als hinterher schlecht abbrechen«, erklärt Prof. Dr. Peter Dall, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, die Devise des Vorhabens. Die Sicherheit stehe an oberster Stelle.
Die Nachfrage besteht
17 Hebammen seien inzwischen neu eingestellt, am Klinikum arbeiten insgesamt 38 plus 7 unterstützende Mitarbeiterinnen für die Administration. Mit dem Schriftverkehr sollen die Geburtshelfer:innen nicht belastet werden. In jeder der drei Schichten arbeiten rund um die Uhr vier Hebammen zusammen.
Das Angebot richtet sich an werdende Eltern, die bei der Geburt ausschließlich von Hebammen begleitet werden möchten, aber auf die Sicherheit einer Klinik nicht verzichten wollen. »Infrage kommen vor allem werdende Mütter, die einen unauffälligen Schwangerschaftsverlauf haben«, erklärt die leitende Hebamme Antje
Kuhrau. »Ich bin schon lange ein Fan dieses Projekts, wir haben viel Gutes von ähnlichen Stationen aus Süddeutschland gehört.«
Die Nachfrage ist da: 40 bis 50 Anmeldungen verzeichnet das neue Modell derzeit pro Monat. Vor der Geburt gibt es zwei ausführliche Gespräche mit den Müttern. Die Kriterien sind streng – so sind Frühgeburten besser mit einem Arzt oder einer Ärztin anzugehen.
Derzeit arbeitet das medizinische Personal noch in einem in die Jahre gekommenen, zu klein gewordenen Gebäude – bis etwa 2030 soll ein neues Eltern-Kind-Zentrum für 70 Millionen Euro gleich nebenan fertig sein. Ende September ist die offizielle Grundsteinlegung. »Da können wir die sieben Kreißsäle schön gestalten«, erzählt Kuhrau. Im vergangenen Jahr gab es im Lüneburger Klinikum 1.900 Geburten.
Trend zur Zentralisierung
»Wir sind in einer Luxussituation, aber für eine Geburt bekommen wir weniger Geld als für eine Blinddarm-OP, das ist katastrophal unterfinanziert«, sagt Dall. Das führe zu einer Zentrierung der Geburtshilfe, kleinere Häuser müssten ihre Abteilungen schließen. Zum Vergleich: Anfang Oktober soll in Hannover die größte Geburtsklinik Norddeutschlands eröffnet werden. Kostenpunkt: 60 Millionen Euro. Im neuen Gebäude am Kinderkrankenhaus Auf der Bult gibt es sogar neun Kreißsäle.
Quelle: dpa, 22.9.2025 · DHZ
