Bei der Fütterung von Säuglingen mit abgepumpter Muttermilch könnte künftig der Zeitpunkt des Abpumpens von Bedeutung sein. Foto: © LoloStock/stock.adobe.com
Eine US-amerikanische Studie legt nahe, dass die Zusammensetzung der Muttermilch im Tagesverlauf schwankt und damit zircadiane Signale an Säuglinge übermittelt. Werden abgepumpte Proben zeitversetzt verfüttert, könnten diese Signale aus dem Rhythmus geraten. Die Ergebnisse erschienen in Frontiers in Nutrition.
Hormon- und Proteinmuster
Das Forschungsteam untersuchte 236 Milchproben von 38 stillenden Frauen, die zu festgelegten Tageszeiten (6 Uhr, 12 Uhr, 18 Uhr, 24 Uhr) entnommen wurden. Analysiert wurden die Hormone Melatonin, Cortisol und Oxytocin sowie die Immunproteine Immunglobulin A (IgA) und Lactoferrin.
Die Daten zeigen: Melatonin erreichte nachts, Cortisol morgens seine höchsten Konzentrationen. Damit bestätigte sich die Funktion der Muttermilch als zeitabhängiges biologisches Signal. IgA und Lactoferrin blieben im Tagesverlauf stabil, waren jedoch bei jüngeren Säuglingen in höherer Konzentration vorhanden – vermutlich als Unterstützung des unreifen Immunsystems.
Empfehlungen für die Praxis
Zusätzlich fiel auf, dass Mütter mit höherem BMI abgeschwächte Tag-Nacht-Schwankungen aufwiesen. Auch die mikrobielle Zusammensetzung variierte: Hautassoziierte Keime dominierten nachts, Umweltkeime tagsüber.
Die Autor:innen weisen auf Limitationen der Untersuchung hin (u. a. geringe Fallzahl, Selbstauskunft zum BMI). Sie schlagen vor, abgepumpte Milch künftig nach Tageszeit zu kennzeichnen und entsprechend zu füttern, um circadiane Signale zu erhalten.
Quelle: Woortman MA, Sun H, Wang J, Godoy-Vitorino F, Meléndez AJR, Rivera MC, Piñero EEA, Engelhardt K, Kleinman LC and Dominguez-Bello MG (2025). Day/night fluctuations of breast milk bioactive factors and microbiome. Front. Nutr. 12:1618784. DOI: 10.3389/fnut.2025.1618784 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 5.9.2025 ∙ DHZ
