Eine randomisierte Studie aus den USA zum sehr frühen medikamentösen Verschluss eines persistierenden Ductus Botalli bei Frühgeborenen ist aufgrund einer erhöhten Zahl von Todesfällen vorzeitig beendet worden. Illustration: © vector/stock.adobe.com

Bei reifgeborenen Kindern schließt sich der Ductus Botalli – der vor der Geburt den Blutfluss an der Lunge vorbei von der Pulmonalarterie in die Aorta ermöglicht – in der Regel innerhalb von 96 Stunden nach der Geburt. Bei Frühgeborenen bleibt er hingegen länger offen und kann sich mitunter erst nach der Entlassung aus der Klinik verschließen. Ein anhaltend offener Ductus ist mit einem erhöhten Risiko für typische Komplikationen der Frühgeburtlichkeit verbunden, darunter die bronchopulmonale Dysplasie.

Vor diesem Hintergrund wurde in der Neonatologie lange versucht, den Ductus Botalli möglichst frühzeitig zu schließen. Dies gelingt häufig durch eine einmalige medikamentöse Behandlung mit Paracetamol, Ibuprofen oder Indometacin. Ob ein solches Vorgehen jedoch tatsächlich die Entwicklung der Frühgeborenen verbessert, ist seit Jahren Gegenstand kontroverser Diskussionen.

Zweifel an medikamentösem Verschluss

Eine aktuelle Cochrane-Übersichtsarbeit kam zu dem Schluss, dass eine Behandlung innerhalb der ersten sieben Lebenstage »wahrscheinlich zu einem geringen bis gar keinem Unterschied in der Mortalität führt mit einer Evidenz von mittlerer Vertrauenswürdigkeit« (Mitra et al., 2025). Eine Meta-Analyse in JAMA Pediatrics zeigte darüber hinaus sogar eine Zunahme von Morbidität und Mortalität (Buvaneswarran et al., 2025).

Diese Bedenken bestätigten sich nun in einer randomisierten Studie des US-amerikanischen Neonatal Research Network. In 19 Kliniken wurden extrem frühgeborene Kinder, die zwischen der 22. und 28. Schwangerschaftswoche geboren worden waren und einen persistierenden Ductus Botalli aufwiesen, randomisiert entweder einer sofortigen medikamentösen Therapie innerhalb der ersten 48 Stunden oder einem abwartenden Vorgehen zugeteilt. In der abwartenden Gruppe wurde eine Behandlung erst nach der 36. Schwangerschaftswoche vorgesehen, es sei denn, eine klinische Verschlechterung machte ein früheres Eingreifen notwendig.

Studie vorzeitig gestoppt

Geplant waren insgesamt 836 Studienteilnehmende. Nach Einschluss von 428 Frühgeborenen wurde die Studie jedoch vorzeitig gestoppt. Zu diesem Zeitpunkt waren in der Gruppe mit früher medikamentöser Behandlung 23 Todesfälle (9,6 %) aufgetreten, verglichen mit 10 Todesfällen (4,1 %) in der abwartenden Gruppe. Die Differenz von 5,6 Prozentpunkten erwies sich nach Berechnungen des Teams um Matthew Laughon von der UNC School of Medicine in Chapel Hill/North Carolina als statistisch signifikant.

Die deutlichsten Unterschiede zeigten sich bei infektiösen Komplikationen. In der aktiv behandelten Gruppe waren Infektionen für 9 Todesfälle verantwortlich, in der abwartenden Gruppe für 2.

Als möglicher Erklärungsansatz wird angeführt, dass die medikamentöse Therapie mit Paracetamol, Ibuprofen oder Indometacin häufig mit einer Unterbrechung oder Verzögerung der enteralen Ernährung sowie mit einem vermehrten Einsatz parenteraler Ernährung einherging. Beide Faktoren könnten das Risiko für eine Sepsis erhöht haben.

Darüber hinaus ist denkbar, dass die eingesetzten Medikamente selbst das Immunsystem beeinflussen oder das Infektionsrisiko direkt erhöhen, etwa durch eine Reduktion des mesenterialen Blutflusses oder durch Schädigungen der Magen-Darm-Schleimhaut. Auch dies könnte das Übertreten von Darmbakterien in die Blutbahn begünstigen.

Neue Leitlinien zu erwarten

Unabhängig von den zugrunde liegenden Mechanismen dürften die Ergebnisse der Studie Konsequenzen für künftige Empfehlungen haben. Die American Academy of Pediatrics hatte bereits vor Veröffentlichung der neuen Daten von einer frühen medikamentösen Intervention abgeraten. In Zukunft dürfte ein solches Vorgehen ohne klinische Symptome als kontraindiziert gelten.

Auch in Deutschland sind Anpassungen zu erwarten: Die S2e-Leitlinie »Symptomatischer Ductus arteriosus des Frühgeborenen« wird derzeit überarbeitet, der Abschluss der Revision ist für März 2026 vorgesehen.

Quelle: Laughon, M. M., Thomas, S. M., Watterberg, K. L., et al. (2025). Expectant management vs medication for patent ductus arteriosus in preterm infants: The PDA randomized clinical trial. JAMA. Advance online publication. https://doi.org/10.1001/jama.2025.23330 ∙ Mitra, S., Scrivens, A., Fiander, M., Disher, T., & Weisz, D. E. (2025). Early treatment versus expectant management of hemodynamically significant patent ductus arteriosus for preterm infants. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2025(6), Article CD013278. https://doi.org/10.1002/14651858.CD013278.pub3 ∙ Buvaneswarran, S., Wong, Y. L., Shen, L., Quek, S. C., & Lee, J. (2025). Active treatment vs expectant management of patent ductus arteriosus in preterm infants. JAMA Pediatrics, 179(8), 877. 10.1001/jamapediatrics.2025.1025 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 8.1.2026 ∙ DHZ