Die Sicherstellung von Schwangerschaftsabbrüchen im Raum Flensburg hat eine hitzige Debatte im Landtag ausgelöst. Grund ist eine nach dem Trägerwechsel des Diako-Krankenhauses drohende Versorgungslücke.
SPD und SSW forderten in einem gemeinsam mit der FDP unterstützten Antrag, ausreichend Angebote in Flensburg zu sichern. Das Recht auf eine wohnortnahe Möglichkeit zum Schwangerschaftsabbruch werde eingeschränkt, sagte SPD-Gesundheitspolitikerin Birte Pauls.
Frauen kämpften seit Jahren um ihr Recht, doch die Gesundheitsministerin habe bislang nichts unternommen, kritisierte sie. Zudem griff sie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) scharf an und forderte Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) auf, „ihren Kabinettskollegen richtig Dampf unter den Hintern zu machen“.
Ab Sonntag führt das Diako-Krankenhaus Schwangerschaftsabbrüche nur noch in Ausnahmefällen durch. Grund ist die Übernahme durch den katholischen Malteserorden zum 1. März. Bisher nahm das evangelische Krankenhaus operative Schwangerschaftsabbrüche vor. Der neue Träger erlaubt diese nur in besonderen Ausnahmefällen.
Regierung: Versorgung weiterhin möglich
Für die erkrankte Gesundheitsministerin sprach Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU). Die Übernahme verändere zwar das Angebot, „aber Schleswig-Holstein hat einen überdurchschnittlichen Versorgungsgrad“. Schwangerschaftsabbrüche nach der Beratungsregel seien künftig nicht mehr im Diako möglich, medizinisch notwendige Eingriffe jedoch schon. Auch die Pille danach werde weiterhin ausgegeben.
„Rund 98 Prozent aller Schwangerschaftsabbrüche werden heute ambulant ausgeführt“, betonte Stenke. Stationäre Eingriffe seien selten – 2024 seien es 40 von 3.400 Fällen gewesen.
Die Grünen-Politikerin Catharina Nies hob hervor, es gehe nicht nur um Statistiken: Nötig seien wohnortnahe Angebote. Die Religion des Ministerpräsidenten spiele dabei keine Rolle. Ex-Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) mahnte eine Versachlichung an. Der theoretische Versorgungsgrad sage wenig über den tatsächlichen Zugang aus.
Für SSW-Fraktionschef Christian Dirschauer ist klar: „Es besteht kein ausreichendes ambulantes Angebot in Flensburg.“ Frauen müssten auf andere Städte ausweichen. Die Regierung bleibe eine Lösung schuldig.
Quelle: dpa, 26.2.2026 · DHZ
