Während der Schwangerschaft könnten kürzere Sitzzeiten und mehr leichte körperliche Aktivität mit einem geringeren Risiko für ungünstige Schwangerschaftsoutcomes verbunden sein. Илья ивашкевич/stock.adobe.com

Weniger langes Sitzen und mehr leichte körperliche Aktivität während der Schwangerschaft könnten mit einem geringeren Risiko für ungünstige Schwangerschaftsoutcomes verbunden sein. Darauf weist eine prospektive Kohortenstudie hin, die in JAMA veröffentlicht wurde.

Regelmäßige Bewegung mit moderater bis hoher Intensität zählt zu den wenigen evidenzbasierten Maßnahmen zur Vorbeugung von Gestationsdiabetes und hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen, ohne das Risiko für Frühgeburten oder ein zu geringes Geburtsgewicht zu erhöhen, erläutern die Forschenden um Bethany Barone Gibbs von der West Virginia University in Morgantown. Allerdings erreichten nur wenige Schwangere die empfohlenen Bewegungsziele.

Körperliche Aktivität von Schwangeren gemessen

Vor diesem Hintergrund untersuchte die Forschungsgruppe in einer multizentrischen Beobachtungsstudie, ob auch weniger intensive Bewegungsformen gesundheitliche Vorteile bieten könnten. Hierfür wurden an drei akademischen Zentren in den USA 470 Schwangere vor der 13. Schwangerschaftswoche in die Studie aufgenommen.

Erfasst wurden unter anderem hypertensive Schwangerschaftserkrankungen, Gestationsdiabetes, Frühgeburten sowie Kinder, die gemessen am Gestationsalter zu klein waren (»small for gestational age«, SGA). Die körperliche Aktivität wurde in jedem Schwangerschaftstrimester mithilfe eines am Oberschenkel getragenen Akzelerometers objektiv gemessen.

Dabei dokumentierten die Forschenden die tägliche Sitzzeit, leichte körperliche Aktivität – beispielsweise Stehen oder alltägliche Bewegungen – sowie die Anzahl der täglich zurückgelegten Schritte. Zusätzlich wurde zwischen kürzeren Sitzphasen von weniger als 60 Minuten und längerem ununterbrochenem Sitzen von mindestens 60 Minuten unterschieden.

Täglich über 10 Stunden im Sitzen

Im Durchschnitt verbrachten die Teilnehmerinnen täglich 10,1 Stunden im Sitzen, waren 4,6 Stunden leicht körperlich aktiv und legten 6.783 Schritte zurück. Bei insgesamt 174 Frauen (37,0 %) trat mindestens ein ungünstiges Schwangerschaftsoutcome auf. Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen wurden bei 86 Teilnehmerinnen (18,3 %) festgestellt.

Längere Sitzzeiten waren mit einem erhöhten Risiko für ungünstige Schwangerschaftsoutcomes assoziiert. Im Vergleich zu Frauen mit geringer Sitzzeit (7,3 Stunden täglich; absolutes Risiko 19,0 %) war das Risiko bei Teilnehmerinnen mit hoher (10,4 Stunden; 42,3 %; relatives Risiko [RR] 2,22; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 1,12–4,43) beziehungsweise sehr hoher Sitzzeit (11,8 Stunden; 41,6 %; RR 2,19; 95-%-KI 1,09–4,40) mehr als doppelt so hoch. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei längeren ununterbrochenen Sitzphasen von mindestens einer Stunde.

Demgegenüber war eine höhere Dauer leichter körperlicher Aktivität mit günstigeren Outcomes verbunden. Frauen mit einem hohen Maß an leichter Aktivität (7,3 Stunden täglich) wiesen im Vergleich zu Teilnehmerinnen mit geringer Aktivität (3,0 Stunden; 40,3 %) nur etwa halb so häufig ungünstige Schwangerschaftsoutcomes auf (21,1 %; RR 0,52; 95-%-KI 0,30–0,93).

Höhere Schrittzahl mindert Risiko

Auch eine höhere tägliche Schrittzahl ging mit einem geringeren Risiko einher. Gegenüber Frauen mit wenigen Schritten pro Tag (3.918; absolutes Risiko 47,7 %) traten ungünstige Schwangerschaftsoutcomes bei moderater (6.077 Schritte; 36,2 %; RR 0,76; 95-%-KI 0,58–0,99) und hoher Schrittzahl (8.519 Schritte; 32,2 %; RR 0,67; 95-%-KI 0,49–0,92) seltener auf.

Ähnliche Zusammenhänge zeigten sich auch für hypertensive Schwangerschaftserkrankungen. Die beobachteten Assoziationen blieben bestehen, nachdem zusätzlich moderate bis intensive körperliche Aktivität sowie der Body-Mass-Index (BMI) vor der Schwangerschaft berücksichtigt worden waren.

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen die Ergebnisse keine Aussagen über Ursache und Wirkung zu. Die Autorinnen und Autoren betonen daher, dass weitere Studien untersuchen müssten, ob Maßnahmen wie die Reduktion langer Sitzzeiten und eine Zunahme leichter körperlicher Aktivität tatsächlich die Schwangerschaftsgesundheit verbessern können.

Quelle: Barone Gibbs B, Kim J, Gallagher J, et al. Adverse Pregnancy Outcomes and Sedentary Behavior, Light-Intensity Physical Activity, and Daily Steps. JAMA. Published online May 27, 2026. doi:10.1001/jama.2026.6986 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 1.6.2026 ∙ DHZ