Eine Bevölkerungsstudie aus Schweden kommt zu dem Schluss, dass auch Kinder ohne Komorbiditäten schwere Verläufe nach einer RSV-Infektion haben können. Foto: © Chiralli/stock.adobe.com
Eine landesweite Kohortenanalyse aus Schweden in Lancet Regional Health – Europe zeigt, dass schwere Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) in den ersten Lebensmonaten nicht nur Kinder mit Komorbiditäten betreffen. Von 2,3 Mio. zwischen 2001 und 2022 geborenen Kindern erhielten 38.919 (1,65 %) eine RSV-Diagnose; die Inzidenz lag bei unter Einjährigen bei 1.406 pro 100.000 Personenjahren.
4.621 Kinder erlitten einen schweren Verlauf, 1.210 mussten intensivmedizinisch behandelt werden, 27 verstarben. Das mittlere Alter der intensivpflichtigen Kinder betrug 1,9 Monate; 41 % hatten eine Komorbidität (v. a. Herzfehler, Lungenerkrankungen, Downsyndrom). Von den Verstorbenen hatten 55 % Vorerkrankungen.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine stationäre oder intensivmedizinische Behandlung zählten Komorbiditäten (adjustierte HR >4), eine Geburt im Winter (HR 2,96), Mangelgeburt/»small for gestational age/SGA« (HR 3,91), Mehrlingsgeburt (HR 3,43) sowie Geschwister im Alter zwischen 0–3 Jahren (HR 2,92). Geschlecht, Passivrauchen und elterliches Geburtsland hatten keinen signifikanten Einfluss.
Das schwedische NT-rådet (Rådet för Nya Terapier, auf Deutsch: »Rat für neue Therapien«), ein nationales Expert:innengremium, empfiehlt ab der kommenden Saison eine Prophylaxe mit dem RSV-Antikörper Nirsevimab für alle Säuglinge <3 Monaten sowie für Kinder <12 Monaten mit Risikofaktoren; bei fortbestehendem Risiko auch in der zweiten Wintersaison. In Deutschland besteht bereits eine generelle Empfehlung für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison.
Die Autor:innen betonen, dass RSV-Infektionen auch bei gesunden Säuglingen lebensbedrohlich verlaufen können.
Dallagiacoma, G., et al. (2025). Risk factors for severe outcomes of respiratory syncytial virus infection in children: a nationwide cohort study in Sweden. The Lancet Regional Health – Europe, Volume 0, Issue 0, 101447. DOI: 10.1016/j.lanepe.2025.101447 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 10.9.2025 ∙ DHZ
