Von einer vorzeitigen Plazentalösung betroffene Kinder haben im späteren Leben ein deutlich erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Foto: © One Dragon/stock.adobe.com

Eine Abruptio placentae stellt nicht nur eine akute Bedrohung für das Leben des Neugeborenen dar, sondern geht auch langfristig mit einem deutlich erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse einher. Darauf weisen die Ergebnisse einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie hin.

Etwa eine von 100 Schwangerschaften ist von einer vorzeitigen Plazentalösung betroffen. Als Risikofaktoren gelten unter anderem ein höheres mütterliches Alter, Schwangerschaftshypertonie oder Präeklampsie sowie Tabakkonsum oder Drogengebrauch, insbesondere Kokain. Bereits frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass eine Abruptio placentae bei den Müttern mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert ist.

Eine aktuelle Analyse der PACER-Kohorte (Placental Abruption and Cardiovascular Event Risk) zeigt nun, dass auch die Kinder langfristig gefährdet sind – selbst dann, wenn sie die akute Phase ohne erkennbare Komplikationen wie intraventrikuläre Blutungen, periventrikuläre Leukomalazie oder Zerebralparese überstanden haben, deren Risiko laut früheren Studien um das Vierfache erhöht ist.

Erhöhtes Krankheitsrisiko

Die Kohorte umfasst 2,9 Millionen Kinder, die zwischen 1993 und 2020 im US-Bundesstaat New Jersey geboren wurden. In 28.641 Fällen (1 %) trat eine Abruptio placentae auf. Die Mehrheit der betroffenen Kinder überlebte. Das Team um Cande Ananth von der Rutgers University in New Brunswick/New Jersey registrierte 760 Todesfälle, überwiegend in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt.

Im weiteren Verlauf zeigte sich jedoch ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen und Mortalität. So erlitten 1.536 Kinder bis zum Alter von 28 Jahren ein kardiovaskuläres Ereignis. In 1.290 Fällen war eine angeborene Herzerkrankung die Ursache. Weitere Ereignisse umfassten Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Myokardinfarkte und Schlaganfälle – Erkrankungen, die in diesem Alter vergleichsweise selten sind. Auch die kardiovaskuläre Sterblichkeit war erhöht.

Komplikationen frühzeitig erkennen

Die Auswertung ergab eine Hazard Ratio von 4,64 (95-%-Konfidenzintervall [2,75; 7,86]) für kardiovaskulären Tod sowie 2,86 [2,74; 2,98] für nicht-tödliche kardiovaskuläre Ereignisse. Eine zusätzliche Geschwisteranalyse bestätigte diese Ergebnisse.

Als mögliche Erklärung diskutieren die Forschenden langfristige Folgen fetaler Wachstumsstörungen, die häufig einer Abruptio placentae vorausgehen und die Entwicklung des kardiovaskulären Systems nachhaltig beeinträchtigen könnten.

Die Ergebnisse sprechen dafür, nicht nur die Mütter im Hinblick auf zukünftige kardiovaskuläre Risiken zu beraten, sondern auch die betroffenen Kinder langfristig zu überwachen, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Quelle: Ananth, C. V., Rosenfeld, E. B., Lee, R., Valeri, L., & Kostis, W. J. (2026). Cardiovascular disease in singleton offspring born of pregnancies complicated by placental abruption: A population-based retrospective cohort study. Journal of the American Heart Association, e045199. https://doi.org/10.1161/JAHA.125.045199 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 23.4.2026 ∙ DHZ