Ziel einer aktuellen Übersichtsarbeit war es, den Stand der homöopathischen Forschung systematisch zu bewerten und Perspektiven für zukünftige Studien aufzuzeigen. Foto: © Aycatcher/stock.adobe.com
Homöopathie wird weltweit angewendet, jedoch fehlt bislang eine robuste wissenschaftliche Evidenzbasis für ihren Nutzen. Ziel einer aktuellen Übersichtsarbeit war es, den Stand der homöopathischen Forschung systematisch zu bewerten und Perspektiven für zukünftige Studien aufzuzeigen (Herman, Crawford et al. 2025).
Eingeschlossen wurden 99 peer-reviewte klinische Studien, darunter 79 randomisiert-kontrollierte Studien, 6 kontrollierte und 14 Beobachtungsstudien. Rund 30 % der Studien wurden in Indien durchgeführt.
Bewertet wurden interne und externe Validität sowie Modellvalidität:
- Die interne Validität zeigte hierbei, ob die Ergebnisse innerhalb der Studie methodisch korrekt und frei von systematischen Verzerrungen »risk of bias« wiedergegeben wurden.
- Die externe Validität beschrieb die Verallgemeinbarkeit und Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf die allgemeine Patientenpopulation und die klinische Praxis.
- Die Modellvalidität bewertete, ob die Studie den Prinzipien des untersuchten Therapiesystems entsprach. Bei homöopathischen Studien umfasst die Modellvalidität, dass die Arzneimittelauswahl nach dem Ähnlichkeitsprinzip (»Similia similibus curentur«) getroffen wird, eine Individualisierung erfolgt (Anpassung an die einzelne Patient:in) sowie das richtige Potenzierungsschema verwendet wird.
Qualität der Forschung
Interne Validität: Hohes Verzerrungsrisiko
Von 85 kontrollierten Studien hatten 42 % (n=36) ein hohes und 24 % (n=20) ein unklares Verzerrungsrisiko. Bei über einem Drittel der Studien wurde dieses Risiko nicht berücksichtigt. Die Autor:innen bewerten dies als erhebliches methodisches Defizit, das die Aussagekraft der Evidenzlage deutlich einschränkt.
Externe Validität: Fehlende Verallgemeinbarkeit
Bei weniger als einem Drittel der eingeschlossenen Studien (31 %, n=31) erfolgten Angaben zur Therapietreue und in 40 % (n=40) wurde nicht über Sicherheitsaspekte berichtet. Nach Einschätzung der Autor:innen mindert dies die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die klinische Praxis.
Modellvalidität: Fragliche Umsetzung homöopathischer Grundprinzipien
Weniger als 66 % der Studien entsprachen den grundlegenden Prinzipien der Homöopathie. Die Autor:innen bewerten dies als erhebliches Problem, da die meisten Studien das zugrundeliegende Therapiekonzept nicht korrekt abbildeten und somit auch die Ergebnisse nur eingeschränkt interpretierbar sind.
Fazit
Aus Sicht der Autor:innen zeigen die internationalen Forschungsergebnisse zur Homöopathie in allen drei Validitätsdimensionen deutliche Defizite auf. Kritisiert werden eine geringe methodische Qualität, eine fehlende standardisierte Berichterstattung und systematische Sicherheitsbewertung. Zur Stärkung der Evidenzbasis sind eine höhere methodische Qualität, konsequente Anwendung internationaler Leitlinien sowie die Weiterentwicklung geeigneter Instrumente zur Bewertung externer und interner Modellvalidität erforderlich. Eine bessere Studienqualität der Einzelstudien, Transparenz und interdisziplinäre Zusammenarbeit wären hierzu erforderlich.
Sie fassen zusammen: Eine robuste Evidenzbasis für die Homöopathie existiert nicht.
Quelle: Herman, P. M., Crawford, C. C., Maglione, M. A., Newberry, S. J., Amieux, P. S., Blyden-Taylor, K., Khorsan, R., Prenguber, M., Rice, E., Shollar, A., Tyson, T., Vassighi, N., & Coulter, I. D. (2025). The current state of the quality of homeopathic clinical research. Complementary therapies in medicine, 88, 103108. https://doi.org/10.1016/j.ctim.2024.103108 ∙ Beate Ramsayer/DHZ
Jetzt weiterlesen mit DHZ+
1,- Euro für 4 Wochen
- freier Zugriff auf alle DHZ+-Artikel auf staudeverlag.de/dhz
- inkl. aller ePaper-Ausgaben der DHZ und der Elterninfos
- Zugriff auf das DHZ-Archiv auf dhz.de
- jederzeit kündbar
