Ergebnisse einer tierexperimentellen Studie deuten darauf hin, dass die Nieren selbst maßgeblich an der Entstehung der Präeklampsie beteiligt sein könnten beziehungsweise vor ihr schützen können. Eine tiefgründige Anamnese ist wichtig.
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Eine in Science publizierte tierexperimentelle Studie einer Arbeitsgruppe um Paola Romagnani (Universität Florenz) liefert neue Hinweise darauf, dass die Nieren selbst maßgeblich an der Entstehung der Präeklampsie beteiligt sein könnten. Bislang wurde vor allem die Plazenta als Ausgangspunkt diskutiert.

Die Forschenden konnten in Mäusemodellen zeigen, dass das während der Schwangerschaft vermehrt gebildete Östrogen Stammzellen in den Nieren aktiviert. Diese Zellen erneuern den zentralen Filterbestandteil der Glomeruli – die Podozyten – und tragen so zur Aufrechterhaltung der gesteigerten glomerulären Filtration bei.

Bleibt diese Regeneration aus, entwickeln sich typische Zeichen der Präeklampsie wie arterielle Hypertonie und Proteinurie. Damit wird ein neuer pathophysiologischer Ansatz eröffnet, der über die Plazenta hinaus die Nierenfunktion in den Fokus rückt.

Langfristige Risiken für Mutter und Kind

Für die klinische Praxis von Hebammen bedeutsam: Eine Präeklampsie geht nicht nur mit akuten Komplikationen einher, sondern erhöht auch das Risiko für Hypertonie und chronische Nierenerkrankungen der Mutter im weiteren Lebensverlauf. Nach der Geburt normalisieren sich Blutdruck und Proteinurie zwar meist, dennoch bleiben strukturelle Nierenschäden bestehen, die später eine arterielle Hypertonie und Niereninsuffizienz begünstigen können.

Auch das Kind ist betroffen: In den Experimenten wiesen Nachkommen präeklamptischer Mäuse weniger Nephrone auf – ein Faktor, der das Risiko für spätere Hypertonie und chronische Niereninsuffizienz steigert. Diese Befunde decken sich mit epidemiologischen Daten zu Kindern von Müttern mit Präeklampsie.

Prävention der Präeklampsie

Die Ergebnisse liefern damit nicht nur neue Einsichten in die Ätiologie der Präeklampsie, sondern unterstreichen auch die Bedeutung einer frühzeitigen Erkennung und konsequenten Betreuung von Schwangeren mit Präeklampsierisiko. Für Hebammen könnte dieses Wissen eine vertiefte Beratung und engere Beobachtung der Nieren- und Blutdruckwerte in der Schwangerschaft unterstützen.

Quelle: Conte, C., Angelotti, M. L., Mazzinghi, B., Melica, M. E., Antonelli, G., Carangelo, G., Landini, S., Raglianti, V., Ravaglia, F., Cirillo, L., Fantini, C., Dafichi, T., Klaus, M., Lucenteforte, E., Molli, A., De Chiara, L., Peired, A. J., Lazzeri, E., Anders, H. J., Lasagni, L., … Romagnani, P. (2025). Estrogen-regulated renal progenitors determine pregnancy adaptation and preeclampsia. Science (New York, N.Y.), 389(6764), 1016–1023. https://doi.org/10.1126/science.adp4629 ∙Deutsches Ärzteblatt, 15.9.2025 ∙ DHZ