Vor einer Methadontherapie sollten suchtkranke Schwangere über potenzielle Entwicklungsrisiken für das Kind aufgeklärt werden. Foto: © tashatuvango/stock.adobe.com
Wenn eine opioidabhängige Frau in der Schwangerschaft Methadon einnimmt, könnte das Risiko für neurologische Entwicklungsauffälligkeiten beim Kind steigen. Dennoch sei Methadon zur Behandlung zu empfehlen, denn die Risiken seien geringer als beim Konsum illegaler Drogen. Das berichtet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Bulletin zur Arzneimittelsicherheit (Ausgabe 1/2026).
Dazu wird auch die Europäische Arzneimittel-Agentur zitiert: »Angesichts der verfügbaren Daten zur Untersuchung angeborener Fehlbildungen und neurologischer Entwicklungsstörungen bei Kindern opioidabhängiger Mütter aus der wissenschaftlichen Literatur und Beobachtungsstudien hält auch das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) einen kausalen Zusammenhang zwischen Methadonexposition und angeborenen Fehlbildungen sowie neurologischen Entwicklungsstörungen bei Kindern opioidabhängiger Mütter für zumindest eine Möglichkeit.«
Risiken abwägen
Opioidgebrauch in der Schwangerschaft gefährde die Gesundheit von Mutter und Kind, sei mit Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht, intrauterinem Wachstumsverzug und neonatalem Entzugssyndrom verbunden. Je höher die Dosis, desto stärker stiegen die Risiken besonders in den letzten Schwangerschaftswochen.
Pränatale Methadonexposition könne die geistige und psychomotorische Entwicklung der Kinder beeinträchtigen, zu Sehstörungen und Verhaltensauffälligkeiten führen. Allerdings seien die meisten Untersuchungen Beobachtungsstudien mit kleinen Fallzahlen, oft ohne Verblindung oder Berücksichtigung von Störfaktoren wie etwa dem Konsum mehrerer Substanzen oder der sozioökonomischen Bedingungen.
Aufklärung verbessern
Das BfArM schlussfolgert: »Bislang konnte daher weder ein eindeutiges Sicherheitssignal noch eine robuste kausale Beziehung im Sinne eines ›Beweises‹ für Methadon als alleinige Ursache der beobachteten Auffälligkeiten etabliert werden.«
Methadon bleibe somit ein wichtiges Instrument zur Behandlung opioidabhängiger Schwangerer. Sie sollten vor der Therapieentscheidung jedoch über potenzielle langfristige Entwicklungsrisiken für das Kind aufgeklärt werden.
Quelle: Deutsche Ärztezeitung, 1.4.2026 · DHZ
