Frauen, die das Peflow Programm während der Schwangerschaft nutzten, entwickelten deutlich seltener eine postpartale Stressharninkontinenz als die Frauen der unbehandelten Kontrollgruppe. © Foto: iStock.com/Luisrojasstock
Das Übungsprogramm Pelvic Floor Workout (Peflow), entwickelt für Schwangere und Wöchnerinnen, verbindet klassisches Beckenbodentraining mit der globalen posturalen Reedukation (GPR) – einer von Philippe Souchard konzipierten Methode, die ursprünglich zur Behandlung spinaler Fehlstellungen und Haltungsprobleme eingesetzt wurde.
Eine randomisiert kontrollierte Studie aus China zeigt nun, dass Frauen, die Peflow während der Schwangerschaft durchführten, seltener eine postpartale Stressharninkontinenz entwickelten als jene in der Kontrollgruppe ohne Intervention.
Insgesamt nahmen 764 Erstgebärende mit Einlingsschwangerschaften teil. Das mediane Alter lag bei 29 Jahren (Interquartilsabstand 27–32). Die Interventionsgruppe absolvierte ab der 28. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt das Peflow-Programm, bestehend aus edukativen Anteilen, täglichen Beckenbodenübungen und zwei wöchentlichen GPR-Sitzungen. Die Kontrollgruppe erhielt die übliche Versorgung der beteiligten Kliniken.
Als primärer Endpunkt galt eine sechs Wochen nach der Geburt unter erhöhtem abdominellem Druck auftretende oder im Stresstest nachgewiesene Harninkontinenz. Die Beckenbodenmuskelkraft wurde vaginal palpatorisch erhoben und anhand der modifizierten Oxford-Skala (MOS) bewertet, die von 0 für »keine Kontraktion« bis 5 für »starke Kontraktion« reicht.
Rund ein Drittel weniger Inkontinenzfälle
In der Intention-to-treat-Analyse zeigten 8,7 % der Peflow-Gruppe und 13,9 % der Kontrollgruppe eine Stressharninkontinenz nach 6 Wochen. Die Risikodifferenz von 5,17 %-Punkten (95-%-KI [0,36; 10,03]) war statistisch signifikant. Zudem erreichten 17,8 % der Peflow-Teilnehmerinnen und 7,9 % der Kontrollgruppe eine Beckenbodenkraft von mindestens 4 MOS-Punkten (Risikodifferenz 9,95 %-Punkte [5,05; 14,87]).
Die Autorinnen und Autoren bewerten die Ergebnisse als vielversprechend, betonen jedoch methodische Einschränkungen – etwa die unvermeidbare fehlende Verblindung. Da es sich um die erste kontrollierte Untersuchung zur Wirksamkeit des Peflow-Programms handelt, wurde die Intervention nicht auf die Zeit nach der Geburt ausgeweitet. Weitere Studien zur Evaluation dieser Methode seien daher notwendig.
Quelle: Gao, L., Zhu, H., Sun, X., Wang, S., Wang, J., & Sun, X. (2026). Pelvic floor workout for preventing stress urinary incontinence in primiparous women: A randomized clinical trial. JAMA Network Open, 9(4), e267132. ∙ Deutsches Ärzteblatt, 22.5.2026 ∙ DHZ

