Die kurze Anästhesie mit Sevofluran zeigte in einer Studie aus Südkorea bei Säuglingen und Kleinkindern keine negativen Auswirkungen auf die frühe kognitive oder emotionale Entwicklung – Langzeitergebnisse stehen noch aus. Foto: © Alla/stock.adobe.com
Eine kurze Allgemeinanästhesie mit Sevofluran hat bei Säuglingen und Kleinkindern offenbar keine negativen Auswirkungen auf die frühe kognitive oder emotionale Entwicklung. Das zeigt eine prospektive, randomisierte Studie aus dem Anesthesiology.
Die Arbeitsgruppe des Seoul National University Hospital verglich bei 400 Kindern unter zwei Jahren zwei Narkoseverfahren bei elektiven Eingriffen:
- Standardnarkose mit Sevofluran
- Balancierte Anästhesie mit Dexmedetomidin und Remifentanil (DEX-R), um den Sevofluranbedarf zu senken
Die Operationen dauerten im Mittel rund 70 Minuten. Bei 343 Kindern erfolgte im Alter von 28–30 Monaten eine standardisierte Entwicklungsuntersuchung sowie eine elternbasierte Verhaltensbeurteilung.
Die Ergebnisse
Die mittlere endexspiratorische Sevoflurankonzentration war in der DEX-R-Gruppe deutlich niedriger (1,8 % vs. 2,6 %). Es zeigten sich jedoch keine Unterschiede in IQ, Verhalten oder Sprachentwicklung zwischen den beiden Gruppen. »Zwar konnte mit dem balancierten Ansatz der Sevofluranbedarf während der Operation deutlich gesenkt werden, ein messbarer Entwicklungsvorteil ließ sich jedoch nicht nachweisen«, so die Forschenden.
Hintergrund und Einschränkung
Tierstudien hatten mögliche neurotoxische Effekte von Narkosemitteln im frühen Kindesalter nahegelegt. Die FDA warnte 2017 vor einer langanhaltenden oder wiederholten Exposition bei Kindern unter drei Jahren. Frühere Studien beim Menschen – etwa die internationale GAS-Studie – fanden ebenfalls keine Nachteile von Sevofluran gegenüber Regionalanästhesie.
Der primäre Endpunkt – Intelligenz im Alter von fünf Jahren – steht noch aus. Die Ergebnisse sind daher als vorläufig zu betrachten.
Im begleitenden Editorial sprechen Andrew Davidson (Royal Children’s Hospital, Melbourne) und Caleb Ing (Columbia University, New York) von einer »willkommenen und wichtigen Information« in einem Feld, in dem Evidenz schwer zu erheben sei. Kinder, die so früh operiert werden müssen, hätten oft zusätzliche gesundheitliche Risiken, die die Entwicklung beeinflussen könnten. »Das Fehlen eines Effekts unterschiedlicher Sevoflurandosen spricht jedoch gegen die Hypothese, dass Sevofluran ursächlich für Neurotoxizität ist.«
Quelle: Ji, S. H., Kang, P., Cho, S. A., Park, J. B., Jang, Y. E., Kim, E. H., Kim, J. T., Kim, H. S., Jung, H. J., Jung, H. A., Lee, H. C., & Lee, J. H. (2025). Effects of Dexmedetomidine-Remifentanil on Neurodevelopment of Children after Inhalation Anesthesia: A Randomized Clinical Trial. Anesthesiology, 143(4), 827–834. https://doi.org/10.1097/ALN.0000000000005634 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 22.9.2025 ∙ DHZ
