Schulbasierte HPV-Impfprogramme können eine wichtige Rolle für die Reduktion von Adenokarzinomen in situ und invasiver Zervixkarzinome spielen. Foto: © Halfpoint/stock.adobe.com
Das schulbasierte HPV-Impfprogramm in Schweden hat nicht nur bei geimpften Frauen zu einer signifikanten Reduktion des Risikos für Adenokarzinome in situ und invasive Zervixkarzinome geführt, sondern auch ungeimpfte Frauen profitierten durch sogenannte Herdeneffekte. Eine populärwissenschaftliche Registerstudie, veröffentlicht in The Lancet Public Health belegt dies.
In der Studie wurden retrospektiv die Daten von 857.168 ungeimpften Mädchen und Frauen aus den Geburtsjahrgängen 1985 bis 2000 ausgewertet. In diesem Zeitraum wurden in Schweden verschiedene HPV-Impfstrategien verfolgt: Für Frauen der Jahrgänge 1985–1988 war lediglich eine selbstfinanzierte, opportunistische Impfung verfügbar. Ab den Jahrgängen 1989–1992 wurde eine staatlich subventionierte Impfung angeboten, während Frauen der Jahrgänge 1993–1998 im Rahmen eines kostenfreien Nachholprogramms geimpft werden konnten. Ab 1999 wurde in Schweden schließlich ein schulbasiertes Impfprogramm eingeführt.
Als Endpunkt der Studie wurden ausschließlich histopathologisch bestätigte Fälle von Adenokarzinomen in situ und invasiven Zervixkarzinomen berücksichtigt. Insgesamt wurden 42.274 entsprechende Fälle identifiziert. Die kumulierte Inzidenz variierte deutlich zwischen den verschiedenen Geburtsjahrgängen und war in der jüngsten Kohorte (1999–2000) am niedrigsten.
Risiko in der ungeimpften Population halbiert
Verglichen mit der Referenzkohorte (1985–1988) wiesen ungeimpfte Frauen der Jahrgänge 1999–2000 im Alter von 23 Jahren eine signifikant niedrigere Inzidenzrate auf (Incidence Rate Ratio (IRR) 0,53; 95-%-Konfidenzintervall: [0,39; 0,73]). Hingegen war die Inzidenzrate in den Kohorten 1993–1998 (IRR 1,26 [1,19; 1,34]) und 1989–1992 (IRR 1,26 [1,18; 1,34]) höher. Mit zunehmendem Alter nahm das relative Risiko in den älteren Kohorten ab, so dass es im Alter von 29 Jahren für die Kohorte 1993–1998 auf 1,00 ([0,87; 1,05]) und im Alter von 33 Jahren für die Kohorte 1989–1992 auf 0,89 ([0,80; 0,99]) sank.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Risiko für Adenokarzinome in situ und invasive Zervixkarzinome bei ungeimpften Frauen der Jahrgänge 1999–2000, die in einer Altersgruppe mit hoher Impfquote durch das schulbasierte Programm lebten, im Vergleich zu Frauen aus den Jahrgängen 1985–1988, die eine niedrigere Impfabdeckung aufwiesen, um die Hälfte verringert wurde.
Wirkung auf Bevölkerungsebene
Die Forscherinnen und Forscher vom Karolinska-Institut in Stockholm ziehen den Schluss, dass schulbasierte HPV-Impfprogramme nicht nur für die geimpften Individuen, sondern auch auf der Ebene der gesamten Bevölkerung einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion von Adenokarzinomen in situ und invasiven Zervixkarzinomen leisten können. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, bei der die Ergebnisse möglicherweise durch Unterschiede zwischen den Geburtskohorten, wie etwa im Sexualverhalten, in der Teilnahme an Zervixkarzinomvorsorge, bei Testverfahren und dem Zugang zu Gesundheitsdiensten, beeinflusst sein könnten.
Quelle: Meglic, E., Ploner, A., Clements, M., Elfström, M., & Lei, J. (2026). Herd effect of human papillomavirus vaccination on incidence of high-grade cervical lesions: a population-based cohort study in Sweden. The Lancet Public Health, 11(1), e35–e43. https://doi.org/10.1016/S2468-2667(25)00297-X ∙ Ärzteblatt.de, 15.01.2026 ∙DHZ
