Mehr als die Hälfte der Teilnehmerinnen einer Befragung aus Australien, die an einer Hyperemesis gravidarum litten, erwog aufgrund der Schwere der Symptome einen Schwangerschaftsabbruch. Foto: © buritora/stock.adobe.com
Eine aktuelle australische Querschnittsstudie in PLOS One beleuchtet die massiven Auswirkungen von Hyperemesis gravidarum (HG) auf betroffene Schwangere. Mehr als die Hälfte der Teilnehmerinnen erwog aufgrund der Schwere der Symptome einen Schwangerschaftsabbruch, 90 % gaben an, nach dieser Erfahrung keine weiteren Kinder zu planen. Trotz häufiger medikamentöser Behandlung stufen nur wenige Betroffene die verfügbaren Therapien als wirksam ein.
Studiendesign und Therapien
Befragt wurden 289 australische Frauen mit aktueller oder zurückliegender HG (Durchschnittsalter 33 Jahre, 38 % zum Befragungszeitpunkt schwanger). 76 % hatten eine formale Diagnose, 72 % waren im Verlauf hospitalisiert. Über die Hälfte berichtete von erheblichen Einschränkungen in Alltag, Beruf, Haushalt, Kinderbetreuung, Partnerschaft und Schlaf. 62 % litten häufig oder dauerhaft unter Angst oder Depression, 37 % wünschten aufgrund der Belastung eine vorzeitige Geburtseinleitung.
Die Studienteilnehmerinnen erhielten im Schnitt vier verschiedene Antiemetika, einzelne bis zu neun. Am häufigsten wurden Ondansetron (91 %), Pyridoxin (70 %), Doxylamin (70 %), Metoclopramid (69 %) und Ingwerpräparate (53 %) verordnet. 40 Frauen bekamen Kortikosteroide.
Als am wirksamsten eingestuft wurden Ondansetron, Doxylamin und Kortikosteroide (jeweils von über 50 % der Anwenderinnen als »effektiv« oder »sehr effektiv« bewertet). Pyridoxin und Ingwer schnitten deutlich schlechter ab.
Nebenwirkungen waren häufig: 65 % der Ondansetron-Nutzerinnen berichteten über Obstipation, 65 % der Doxylamin-Anwenderinnen über Sedierung, 16 % der Metoclopramid-Anwenderinnen über Stimmungsschwankungen und 25 % der Kortikosteroid-Nutzerinnen über Kopfschmerzen. Metoclopramid wurde von 31 % wegen Nebenwirkungen abgesetzt, Ondansetron von 14 % und Doxylamin von 10 %.
Einschätzungen der Studienautor:innen
»Hyperemesis gravidarum ist nicht nur Morgenübelkeit – es ist eine schwerwiegende Erkrankung mit verheerenden Folgen für die psychische Gesundheit, Beziehungen und Entscheidungen über künftige Schwangerschaften«, betonte Studienleiter Luke Grzeskowiak von der Flinders University in Adelaide.
Was Hebammen für die Praxis mitnehmen können
- Frühzeitige Sensibilisierung: HG ist mehr als »starke Übelkeit«. Hebammen sollten Symptome ernst nehmen, frühzeitig differenzieren und gegebenenfalls zur ärztlichen Diagnosestellung anregen.
- Psychische Belastung beachten: Angst und Depression sind häufig – psychosoziale Unterstützung und ggf. Vermittlung an Fachstellen sind essenziell.
- Therapiebegleitung: Da viele Betroffene mehrere Medikamente erhalten, ist Beratung zu Nebenwirkungen, Wirkungsbeurteilung und Adhärenz wichtig.
- Individuelle Versorgung stärken: Hebammen können maßgeblich dazu beitragen, dass Schwangere sich gehört fühlen, personalisierte Strategien erhalten und informierte Entscheidungen treffen können.
Quelle: Wills, L., Hsiao, H. F., Thomas, A., Kay-Smith, C., Henry, A., & Grzeskowiak, L. E. (2025). Assessing the burden of severe nausea and vomiting of pregnancy or hyperemesis gravidarum and the associated use and experiences of medication treatments: An Australian consumer survey. PloS one, 20(9), e0329687. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0329687 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 17.9.2025 ∙ DHZ
