Die Gefühle einer Schwangeren bei einem ungeplantem Kaiserschnitt können in vielen Fällen mit einem traumatischen Ereignis verglichen werden. Foto: © oksix/stock.adobe.com
Eine Sectio caesarea bedeutet für viele Schwangere nicht nur körperliche Belastungen. Besonders hoch ist der psychische Druck, wenn der Eingriff erst im Verlauf der Geburt notwendig wird. Eine im Fachjournal Pregnancy veröffentlichte Studie zeigt, dass betroffene Frauen später häufiger Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) oder Depression entwickeln und Probleme haben können, eine stabile Bindung zu ihrem Kind aufzubauen.
Geplante vs. ungeplante Sectio
Kommt es während einer zunächst normal verlaufenden Geburt plötzlich zur Entscheidung für eine Sectio, kann dies erhebliche akute Ängste auslösen. Das belegt die Untersuchung von Sharon Dekel et al., die 1.146 Frauen befragte – einmal innerhalb von 31 Stunden nach der Entbindung und erneut zwei Monate später.
Unmittelbar nach der Geburt berichtete jede zehnte Frau über erhöhten Stress, gemessen mit 15 oder mehr Punkten im Peritraumatic Distress Inventory (PDI), einem Instrument zur Erfassung belastungsbezogener Symptome nach traumatischen Ereignissen. Am seltensten war dies nach einer vaginalen Geburt der Fall (6,3 %). Bei einem geplanten Kaiserschnitt lag der Anteil bei 14,3 %.
Auch vaginal-operative Geburten lösen Stress aus
Deutlich höher war der Wert, wenn die Entscheidung zur Sectio während der Geburt getroffen wurde: 25,3 % in der ersten Phase und 34,9 % in der zweiten Phase. Auch operative Hilfen wie Saugglocke oder Zange bei vaginalen Geburten führten bei 22,6 % der Frauen zu erhöhtem Stress.
Die emotionalen Reaktionen bei einem ungeplanten Kaiserschnitt ähneln laut Studie durchaus denen nach einem traumatischen Ereignis wie einem Unfall: 37 % der Frauen berichteten von Hilflosigkeit, 14,6 % sogar von Todesangst.
Bei der zweiten Befragung zwei Monate später zeigte sich, dass Frauen nach einem Kaiserschnitt häufiger Symptome einer PTBS, depressive Beschwerden und Bindungsprobleme aufwiesen. Diese korrelierten mit dem PDI-Wert unmittelbar nach der Geburt.
Genau hinschauen
Derzeit liegt der Fokus im Wochenbett vor allem auf der Erkennung postpartaler Depressionen, wofür sich die Edinburgh Postnatal Depression Scale bewährt hat. Nach Einschätzung von der Forschenden sollte jedoch insbesondere nach ungeplanten Kaiserschnitten zusätzlich das Peritraumatic Distress Inventory eingesetzt werden, um eine mögliche PTBS frühzeitig zu identifizieren und negative Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Bindung zu verhindern.
Quelle: Allouche-Kam, H., Arora, I. H., Pham, C. T., Chon, E., Lee, M., Agwu, O., Zhang, J., Milavsky, E., Edlow, A. G., Hughes, F., Orr, S. P., Kaimal, A. J., & Dekel, S. (2026). The psychological impact of childbirth: Unscheduled cesarean delivery associates with increased risk for acute stress response. Pregnancy. https://doi.org/10.1002/pmf2.70220 ∙ Äzrteblatt.de, 2.3.2026 ∙ DHZ
