Publizieren beginnt bereits vor dem eigentlichen Schreibprozess. Bei der Veröffentlichung einer Forschungsarbeit sind die Relevanz der Ergebnisse, die Qualität der Methodik, eine aktuelle Literaturrecherche und das Manuskript entscheidend. Doch wie schafft man es, an dieses Ziel zu gelangen? Ein Leitfaden.
Schon früh sollten Sie sich die Frage stellen: Was sind meine Hypothesen und meine Ziele? Beschreite ich mit meiner Arbeit neue Wege oder bearbeite ich mit ihr noch offene Fragen oder Wissenslücken in einem bereits erforschten Gebiet? Das Testen einer neuen Hypothese ist sicherlich spannender, aber auch risikoreicher als das Untermauern einer bestehenden These. Dennoch gilt: Je neuer und interessanter Ihre Forschungsarbeit ist, desto größer ist die Chance, dass Sie Ihre Ergebnisse veröffentlichen können. Die Gutachter:innen und Redakteur:innen einer Zeitschrift beurteilen, ob die Arbeit genügend neues und interessantes Material für eine Veröffentlichung enthält. Dafür sollten Sie frühzeitig durch Literaturrecherche herausfinden, inwiefern Ihre Arbeit auf früheren Forschungsarbeiten aufbaut, an welchen Stellen sie sich von der aktuellen Forschung unterscheidet und wie sie die Wissenschaft voranbringen wird. Gerade in der Hebammenarbeit gibt es zahlreiche Forschungsthemen, die für die Öffentlichkeit interessant sind und neue Forschungsfragen aufwerfen. Achten Sie auf geeignete Vergleichsgruppen/Kontrollen, ausreichend große Fallzahlen und reproduzierbare Forschungsergebnisse. Bevor Sie mit Ihrer Forschung beginnen, müssen Sie alle erforderlichen Genehmigungen (beispielsweise von einer Ethikkommission) eingeholt haben. Dies müssen Sie später im Abschnitt »Materialien und Methoden« darlegen. Nutzen Sie jede Gelegenheit für Diskussion und Präsentation Ihrer Ergebnisse beispielsweise in Form von Postern und Vorträgen.
Das Erstellen eines Manuskripts
Fokussieren Sie sich beim Schreiben eines Zeitschriftenmanuskripts von Anfang an auf eine bestimmte Leser:innenschaft bzw. Zeitschrift. Beachten Sie die Hinweise für Autor:innen, die Sie oft auf der Internetseite der Zeitschriften finden oder dort anfragen können. Stellen Sie Ihre Forschungsarbeit so klar und ansprechend wie möglich dar. Dabei sollten Sie sich von den folgenden Fragen leiten lassen: Was möchte ich den Leser:innen mitteilen, was ist meine zentrale Botschaft?
Verwenden Sie für die Gliederung Ihres Manuskripts, sofern nicht anders vorgegeben, das IMRaD-Format (engl. »Introduction, Methods, Results, and Discussion«) und gliedern Sie die Abschnitte, soweit zulässig, zusätzlich durch Untertitel. Schreiben Sie in kurzen, einfachen Sätzen. Verwenden Sie Eigennamen, Abkürzungen oder nicht gebräuchliche Fachbegriffe nur, wenn es unbedingt erforderlich ist und führen Sie diese immer ein oder erklären Sie sie. Beschreiben Sie alles mit eigenen Worten. Verzichten Sie auf das Ausschneiden und Einfügen fremder Texte und verwenden Sie kein Programm zur Textgenerierung, auch wenn Sie in einer Fremdsprache schreiben, die Sie nicht gut beherrschen. Wenn Sie ein Textübersetzungsprogramm verwenden, sollten Ihre Fremdsprachenkenntnisse zumindest so gut sein, dass Sie die Übersetzungsfehler des Programms ausmerzen können.
Nun zum Textaufbau: Ein wissenschaftliches Manuskript beginnt mit dem Titel, der Liste der Autor:innen (und ihrer Zugehörigkeit), der Kurzdarstellung und den Schlüsselwörtern. Darauf folgen der Hauptteil im IMRaD-Format und die Schlussfolgerungen (oft am Ende der Diskussion). Er endet mit der Erklärung über mögliche Interessenkonflikte, der Erklärung über die Beiträge der Autor:innen, den Danksagungen und dem Literaturverzeichnis.
Die richtige Reihenfolge finden
Es ist sinnvoll, zunächst die Ergebnisse logisch zu ordnen und in Form von Abbildungen, Tabellen und Grafiken zusammenzufassen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Abbildungen, Tabellen und Grafiken nicht überfrachtet , sondern leicht verständlich sind und mit den entsprechenden Legenden für sich stehen können. Konkret heißt das: Es sollte unnötig sein, zuerst den Text Ihrer Arbeit zu lesen, um sie zu verstehen.
In den folgenden Abschnitten beschreiben Sie im Kapitel »Materialien und Methoden«, was Sie wie gemacht haben und unter »Ergebnisse«, welche Resultate Sie unter Bezugnahme auf die zuvor zusammengestellten Abbildungen, Tabellen und Grafiken erhalten haben. Im Abschnitt »Diskussion« interpretieren Sie Ihre Ergebnisse im Hinblick auf ihre Bedeutung und den aktuellen Stand der Wissenschaft sowie die eingangs formulierten Hypothesen und Ziele. Wenn Sie mit dem Schreiben Ihrer Arbeit bis hierhergekommen sind, ist es sinnvoll, sich die folgende Frage zu stellen: Habe ich eine in sich schlüssige und zusammenhängende Darstellung erreicht, oder muss ich gegebenenfalls zusätzliche Ergebnisse sammeln? Wenn Sie soweit zufrieden sind, wenden Sie sich nun der Einleitung, der Kurzdarstellung und dem Titel zu. Die Einleitung gibt den Rahmen für Ihre Arbeit vor. Ausgehend von einer kurzen Beschreibung der Bedeutung Ihres Themas und des aktuellen Standes der Wissenschaft erläutern Sie der Leserschaft Ihre Hypothesen und Ziele. Sie erläutern, welche offenen Fragen Sie wie beantworten und welche Wissenslücken Sie wie schließen wollen. Mit einer aussagekräftigen Kurzdarstellung und einem ebenfalls möglichst aussagekräftigen Titel versuchen Sie dann sich ein möglichst breites Interesse für Ihre Arbeit zu sichern. Danach folgen die Danksagung, die Offenlegung von Interessenkonflikten, der Beitrag der einzelnen Autor:innen usw. Das Literaturverzeichnis sollte die in der Einleitung, in der Diskussion und eventuell in den Materialien und Methoden zitierten Arbeiten enthalten. Die Kurzdarstellung und vor allem die Ergebnisse sollten frei von Literaturangaben sein.
Titel und Kurzdarstellung
Mit dem Titel und der Kurzdarstellung wecken Sie das Interesse für Ihre Arbeit. Beide sollten daher möglichst kurz, prägnant und leicht verständlich sein und das Wesentliche Ihrer Arbeit wiedergeben. Die Kurzdarstellung sollte ca. 10 bis 20 Sätze (ca. 250 Wörter) umfassen. Sie sollte die Bedeutung des Themas, den Zweck der durchgeführten Arbeit, die wichtigsten Ergebnisse – mit einem Minimum an methodischen Details – sowie deren Interpretation, die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen und möglichen Implikationen für die Zukunft umreißen. Es ist wichtig, dass sowohl der Titel als auch die Kurzdarstellung für sich selbst stehen und auch ohne vorherige Lektüre der Arbeit verstanden werden können.
Einleitung
In der Einleitung skizzieren Sie zunächst Ihr Thema und informieren über dessen gesellschaftliche Bedeutung und den aktuellen Stand der Wissenschaft auf dem Gebiet. Sie erläutern, was und wie (Hypothesen) noch geklärt/gelöst werden muss und warum dies wichtig ist (offene Fragen/Wissenslücken), welche Lösungsansätze aus heutiger Sicht für Ihre Hypothesen am erfolgversprechendsten sind und zeigen auf, was Sie diesbezüglich erreichen wollen (Ziele).
Materialien und Methoden
Die in der Forschung verwendeten Materialien, Methoden, Geräte und Programme sind so detailliert zu beschreiben, dass eine erfahrene Leserschaft sie verstehen und ggf. nachvollziehen kann. Auf neue, komplizierte und selten durchgeführte Methoden sollte ausführlich eingegangen werden. Verwenden Sie international anerkannte Begriffe sowie gebräuchliche Mengenangaben und Einheiten. Bei Untersuchungsgegenständen, die nicht häufig verwendet werden, ist die Bezugsquelle anzugeben. Eine unvollständige oder fehlerhafte Darlegung der Materialien und Methoden kann den Herausgeber:innen und Gutachter:innen den Eindruck vermitteln, dass die Untersuchungen unverständlich und nicht nachvollziehbar sind. Es ist ratsam, die Materialien und Methoden bereits während der Versuchs-/Untersuchungsphase zu skizzieren, damit später nichts Wesentliches vergessen oder ausgelassen wird. Es ist auch ratsam, das Kapitel in Unterkapitel mit Überschriften zu gliedern. Die Materialien und Methoden sind eine reine Aufzeichnung dessen, was Sie getan haben. Ergebnisse sollten hier nicht beschrieben, kommentiert und/oder diskutiert werden!
Ergebnisse
Im Kapitel »Ergebnisse« beschreiben Sie objektiv – am besten in der gleichen Reihenfolge wie unter »Materialien und Methoden« – Ihre eigenen Ergebnisse, die Sie anschließend in der Diskussion subjektiv kommentieren und im Hinblick auf den aktuellen Stand der Wissenschaft und die von Ihnen verfolgten Hypothesen und Ziele diskutieren. Sie sollten nur solche Ergebnisse aufnehmen, die für die anschließende Diskussion wichtig sind. Ergebnisse von geringerer Bedeutung sollten, wenn überhaupt, unter »Ergänzungen« erscheinen.
Literaturzitate gehören nicht in die Ergebnisse, denn wenn Sie hier aus der Literatur zitieren, diskutieren Sie Ihre Ergebnisse bereits.
Diskussion
Unter »Diskussion« sollten Sie sich auf Ihre Ergebnisse konzentrieren und erläutern, inwieweit sie neu sind, welche offenen Fragen sie beantworten, welche Wissenslücken sie schließen und wie sie sich zum aktuellen Stand der Wissenschaft verhalten, also inwieweit Ihre Ergebnisse mit denen anderer Forschenden übereinstimmen oder diesen widersprechen. Diskutieren Sie alle Ergebnisse, nicht nur diejenigen, die statistisch signifikant sind oder Ihre Hypothese stützen. Ignorieren Sie keine Ergebnisse aus der Literatur, die Ihren Ergebnissen widersprechen. Geben Sie alternative Erklärungen für diese Ergebnisse an und äußern Sie Vorbehalte (beispielsweise zu kleine Fallzahlen oder ungeeignete Methodik).
Überschätzen Sie Ihre Ergebnisse nicht und verschweigen Sie nicht andere mögliche Interpretationen. Erklären Sie stattdessen, inwiefern Ihre Ergebnisse Schwächen aufweisen und inwiefern sie weitere Fragen oder Wissenslücken aufzeigen, die in zukünftigen Arbeiten behandelt werden müssen. Diskutieren Sie keine eigenen Ergebnisse, die Sie nicht zuvor unter »Ergebnisse« präsentiert oder anderweitig veröffentlicht haben.
Schlussfolgerung
Die Diskussion endet in der Regel mit dem Kapitel »Schlussfolgerung«. Diese ist weder eine Wiederholung der Kurzdarstellung (s.o.) noch eine erneute Aufzählung der Ergebnisse. Die Schlussfolgerung sollte auf den Ergebnissen basieren und nicht trivial sein. Begründen Sie hier den Zweck Ihrer Arbeit und erläutern Sie die Bedeutung Ihrer Ergebnisse. Erklären Sie, wie sie die Wissenschaft voranbringen werden und verweisen Sie auf mögliche Anwendungen in der Versorgung der betreuten Frauen oder in anderen Bereichen.
Sie können auch Vorschläge für zukünftige Forschungsprojekte machen und auf bereits laufende weiterführende Forschungsarbeiten hinweisen. Es wird empfohlen, die Schlussfolgerung mit einer aussagekräftigen »Quintessenz« abzuschließen.
Schlüsselwörter und Danksagung
Wählen Sie als Schlüsselwörter keine Worte, die bereits im Titel/in der Kurzdarstellung enthalten sind und/oder eine zu weite Bedeutung haben. In der Danksagung sollte der Unterstützer oder die Institution genannt werden, der/die Ihre Arbeit ermöglicht hat. Der Betreuer/die Betreuerin Ihrer Arbeit sollte als erfahrenster Co-Autor/als erfahrenste Co-Autorin am Ende der Autorenliste ihres Textes aufgeführt werden, unabhängig von seinem/ihrem sichtbaren Beitrag.
Zitate und Literaturverzeichnis
Beziehen Sie sich in Ihrer Arbeit vorzugsweise auf veröffentlichte Arbeiten, die ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen haben und in einer Literaturdatenbank wie z. B. PubMed oder Cochrane zu finden sind. Eigene, unveröffentlichte Ergebnisse sollten Sie nicht zitieren. Persönliche Mitteilungen Dritter sollten Sie, wenn überhaupt, nur sparsam zitieren. Veröffentlichte eigene Arbeiten oder Arbeiten von »guten Freunden« sollten nur dann als Zitat in das Manuskript aufgenommen werden, wenn sie unverzichtbar sind. Wenn etwas nicht die eigene Idee oder nicht allgemein bekannt ist oder keine gängige Methode darstellt, muss immer die Quelle angegeben werden. In welcher Form die Zitate einzufügen sind und wie das Literaturverzeichnis zu erstellen ist, wird in der Regel von der Zeitschrift in den Hinweisen für Autor:innen vorgegeben. Es ist von Vorteil, das Literaturverzeichnis mit einem Literaturverwaltungsprogramm zu erstellen.
Manchmal kommt es vor, dass zitierte Quellen nicht das enthalten, wofür sie angeführt werden, oder dass auf frühere eigene oder fremde Arbeiten verwiesen wird, die die behaupteten Informationen gar nicht enthalten. Vermeiden Sie solche unwahren und falschen Zitate, indem Sie die Quellen immer zuerst selbst lesen und damit überprüfen.
Vor der Einreichung
Gewinnen Sie Abstand vom Manuskript, indem Sie eine längere Pause einlegen. Drucken Sie es aus und lesen Sie es sich laut vor. Bitten Sie nicht nur Ihre Co-Autor:innen, sondern auch andere Personen innerhalb und außerhalb Ihres Fachgebiets, Ihr Manuskript zu lesen. Oft kann eine außenstehende Person Punkte erkennen, die Ihnen entgangen, missverständlich dargestellt oder aus anderen Gründen erklärungsbedürftig sind. Wenn Sie auf Englisch schreiben und Englisch nicht Ihre Muttersprache ist, sollten Sie Ihr Manuskript von einem/einer Muttersprachler:in Korrektur lesen lassen. Sprache, Grammatik und Rechtschreibung sind genauso wichtig wie die wissenschaftliche Arbeit selbst. Damit beweisen Sie, dass Sie genau so sorgfältig am Manuskript gearbeitet haben, wie Sie in Ihrer Forschung vorgegangen sind.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

