Die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg werden die geburtshilfliche Abteilung am Standort Groß-Umstadt zum 30. September 2025 schließen müssen. Diese Entscheidung ist eine Maßnahme im Rahmen der Veränderungen in der Geburtshilfe und der bundesweiten Krankenhausreform, die eine stärkere Zentralisierung und Bündelung von Leistungen vorsieht. Die Fachabteilung für Gynäkologie wird weitergeführt.
»Die Geburtshilfe in Groß-Umstadt war über Jahrzehnte ein wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung im östlichen Landkreis. Doch tiefgreifende strukturelle Veränderungen in der Geburtshilfe machen ein Festhalten an diesem Angebot vor Ort langfristig nicht verantwortbar. Das bedeutet, medizinische Angebote zu bündeln und dort zu konzentrieren, wo sie unter den gegebenen Rahmenbedingungen langfristig hohe Qualität bieten können«, sagt Landrat Klaus Peter Schellhaas.
Die Hintergründe
Hintergrund der Entscheidung ist eine Vielzahl an Faktoren, die bundesweit zu Schließungen kleiner geburtshilflicher Abteilungen führen:
- Fehlende angeschlossene KinderklinikFachkräftemangel: Die Zahl der Hebammen, die in Kliniken tätig sind, sinkt stetig.
- Eine direkte Folge des neuen Hebammenhilfevertrags ist, dass in Groß-Umstadt in den vergangenen Wochen 7 von ursprünglich 14 freiberuflich tätigen Beleghebammen gekündigt haben. Um die Versorgung dennoch aufrechtzuerhalten, müssten die Kreisklinik künftig verstärkt auf teurere Leihhebammen zurückgreifen, was die ohnehin hohen Betriebskosten weiter in die Höhe treiben würde.
- Sinkende Geburtenzahlen: Im Einzugsgebiet der Klinik gehen die Geburtenzahlen seit Jahren zurück – eine Entwicklung, die nicht nur die Region, sondern ganz Deutschland betrifft.
- Strukturelle Reformen: Die Krankenhausreform des Bundes sowie Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zielen auf eine Zentralisierung ab. Geburtskliniken sollen künftig in weniger, aber leistungsfähigeren Einheiten konzentriert werden.
- Wirtschaftliche Situation: Der Betrieb einer kleinen geburtshilflichen Abteilung verursacht hohe Fixkosten, die durch das aktuelle Vergütungssystem nicht gedeckt werden können.
»Mit den verantwortlichen Mitarbeitern und den Hebammen haben wir lange um einen gemeinsamen guten Weg für die Geburtshilfe gerungen. Wir haben alle Optionen geprüft – von Kooperationen über Personalgewinnung bis hin zur Finanzierung. Durch das dynamische Geschehen rund um die Geburtshilfe, aber auch im Klinikmarkt insgesamt blieb trotz des Engagements aller Mitarbeitenden nur die Schlussfolgerung: Der Standort ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht zukunftsfähig. Wir möchten allen Mitarbeitenden und insbesondere auch den Hebammen danken, die über Jahrzehnte die Geburtshilfe am Standort geprägt haben. Wir blicken mit Stolz und Dankbarkeit auf diese Zeit«, betonen Betriebsleiterin Pelin Meyer und Betriebsleiter Christoph Dahmen. Die abschließende Entscheidung wird der Kreistag am 15. September 2025 treffen.
Schwangere, die bereits in Betreuung der Kreisklinik Groß-Umstadt sind, erhalten ab sofort individuelle Beratung und Unterstützung bei der Wahl eines neuen Geburtsorts nach dem 30. September. Bis dahin steht die Geburtshilfe weiterhin wie bisher zur Verfügung. Gebärende, die bereits ihre Geburt geplant haben, können weiterhin in Groß-Umstadt ihr Kind zur Welt bringen.
Quelle: Pressemitteilung Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg, 21.8.2025 · DHZ
