Mit einer weichen Sonde wird gemessen, ob das Innenohr des Neugeborenen aktiv reagiert. Foto: © Rafael Ben-Ari/stock.adobe.com

Die Bedeutung der frühzeitigen Erkennung von Hörstörungen bei Neugeborenen stand im Mittelpunkt einer Fortbildung an der Universitätsmedizin Halle am 25. März 2026. Veranstaltet wurde sie von der Universitäts- und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie gemeinsam mit der Trackingstelle Neugeborenen-Hörscreening Sachsen-Anhalt und dem Förderverein »Sachsen-Anhalt hört früher«. Teilgenommen haben Fachkräfte aus Medizin, Geburtshilfe und Kinderkrankenpflege. Der Fokus lag auf praxisnaher Wissensvermittlung sowie auf Übungen zur sicheren Durchführung des Neugeborenen-Hörscreenings.

Unbehandelte Hörstörungen können die kindliche Entwicklung nachhaltig beeinträchtigen, weshalb eine frühzeitige Diagnostik als wesentliche Voraussetzung gilt, um zeitnah weitere Maßnahmen einleiten zu können. Durch das Neugeborenen-Hörscreening ist es möglich, Hörstörungen direkt oder wenige Tage nach der Geburt zu erkennen oder auszuschließen. Ziel der Fortbildung war es, Fachkräfte in Klinik und ambulanter Versorgung für eine qualitätsgesicherte Durchführung des Screenings zu qualifizieren und Familien frühzeitig Sicherheit zu geben, so Dr. Gerrit Götze, Oberärztin und Fachärztin der Universitätsmedizin Halle.

Welche Screeningverfahren gibt es?

Vorgestellt wurden zwei etablierte Screeningverfahren. Beide Methoden sind schmerzfrei und können im Schlaf des Kindes durchgeführt werden. Sie ermöglichen Aussagen zur Funktion des Innenohrs sowie zur Weiterleitung akustischer Signale entlang der Hörbahn bis zum Hirnstamm. Bei der Messung der otoakustischen Emissionen misst eine kleine Sonde am äußeren Gehörgang, ob das Innenohr normal arbeitet. Durch leise Schallreize wird geprüft, ob das Ohr auf diese Reize reagiert und sie als Echo zurücksendet. Die Hirnstammaudiometrie prüft mithilfe eines Ohrhörers und kleiner Elektroden die elektrischen Antworten des Hörsystems nach Stimulation, um zu sehen, ob Schallsignale vom Ohr über den Hörnerv bis in die Verarbeitungszentren des Gehirns weitergeleitet werden.

Fortbildung stärkt Kooperation

Die jährlich an wechselnden Standorten stattfindende Fortbildung »Update Neugeborenen-Hörscreening Sachsen-Anhalt« dient zugleich der interdisziplinären Vernetzung. Durch die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen wird eine koordinierte, wohnortnahe und qualitätsgesicherte Versorgung von Neugeborenen und ihren Familien gestärkt.

 

Quelle: UMH, 27.3.2026 · DHZ