Bei jungen Vätern steigen die Raten für Depressionen und Belastungsstörungen im ersten Lebensjahr des Kindes an. Foto: © PoppyPix/stock.adobe.com
Wenn Väter rund um die Geburt unter psychiatrischen Störungen leiden, wird die Gesundheit der gesamten Familie beeinträchtigt. Diese Erkrankungen wurden jedoch oft nicht erkannt und es gibt wenig Erkenntnisse über ihr Auftreten. Eine prospektive Kohortenstudie hat nun Inzidenzmuster neu diagnostizierter psychiatrischer Störungen bei Männern in Schweden untersucht, bevor, während und nachdem sie Väter wurden.
Studiendesign
Die Studie verwendete verknüpfte Nationalregisterdaten für alle Väter von Kindern, die zwischen dem 1. Januar 2003 und dem 31. Dezember 2021 in Schweden geboren wurden. Die Beobachtung lief von einem Jahr vor bis zu einem Jahr nach der Schwangerschaft. Die Daten wurden vom 1. Oktober 2024 bis zum 31. März 2025 ausgewertet. Die Zeit während der Schwangerschaft und ein Jahr nach der Geburt wurden als Risikoperioden betrachtet, während das Jahr vor der Schwangerschaft als Referenzzeitraum diente.
Die jährlichen und wöchentlichen Inzidenzraten (IRs) klinischer Diagnosen einer psychiatrischen Störung und neun typspezifischer Erkrankungen wurden berechnet und nach Alter und Kalenderjahr standardisiert. Die adjustierte Poisson-Regressionsanalyse wurde verwendet, um die Inzidenzratenverhältnisse (IRRs) psychiatrischer Erkrankungen während und nach der Schwangerschaft im Vergleich zu vor der Empfängnis weiter abzuschätzen.
Die Studie umfasste 1.915.722 Geburten von 1.096.198 Vätern, deren mittleres Alter bei der Geburt bei 33,8 Jahren lag.
Ergebnisse
IRs jeder diagnostizierten psychiatrischen Störung waren während der Schwangerschaft und in der frühen postpartalen Phase niedriger als in den entsprechenden Präkonzeptionswochen. Sie kehrten später nach der Geburt zu vergleichbaren Werten zurück. Dieses Muster wurde auch bei IRRs von Angststörungen, Konsum von Alkohol und psychoaktiven Drogen beobachtet.
IRRs von Depressionen und stressbedingten Störungen zeigten jedoch gegen Ende des ersten postpartalen Jahres einen deutlichen Anstieg von 30 %. Im Gegensatz dazu blieben die IRRs der Diagnose von Tabakgebrauchsstörung, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, bipolarer Störung oder Psychose vor, während und nach der Schwangerschaft relativ stabil.
Schlussfolgerungen
In dieser landesweiten Kohortenstudie wurden Väter in Schweden seltener während der Schwangerschaft und früh nach der Geburt mit einer psychiatrischen Störung diagnostiziert als vor der Empfängnis, aber die IRs kehrten danach auf vergleichbare Werte zurück. »Diese Inzidenzmuster könnten auf einen vorübergehenden protektiven Effekt sowie eine verzögerte Diagnosestellung während des Übergangs zur Vaterschaft hinweisen. Sie zeigen, dass es wichtig ist, auch die psychische Gesundheit von Vätern fortgesetzt im Auge zu behalten, insbesondere im Hinblick auf Depressionen sowie Belastungs- und Anpassungsstörungen im späteren postpartalen Verlauf«, folgern die Autor:innen.
Konsequenzen
In einem Kommentar zur Studie schreiben Kathrine Bang Madsen von der Süddänischen Universität in Odense und Mette-Marie Zacher Kjeldsen von der Universität Aarhus: »Auch wenn Männer während Schwangerschaft und Geburt nicht die gleichen physiologischen und hormonellen Veränderungen durchlaufen wie Frauen, stellt der Übergang zur Vaterschaft dennoch einen erheblichen psychologischen und sozialen Wandel dar.« Eine vorbestehende psychische Erkrankung sei vermutlich der wichtigste Risikofaktor für postpartale psychische Störungen bei Vätern.
Sie fordern gesundheitspolitische Konsequenzen: »Perinatale Versorgungsangebote sollten die Familie als Einheit in den Blick nehmen, die psychische Gesundheit beider Eltern routinemäßig erfassen, niedrigschwellige Zugänge zur Weiterbehandlung schaffen und die Beobachtung über die frühe postpartale Phase hinaus fortführen, um gefährdete Väter rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.«
Quellen: Xiang, N., Zhou, J., Lin, Y., Yang, Y., Martini, M., Tang, B., Chen, Y., Papadopoulos, F. C., Fransson, E., Skalkidou, A., Huang, J., & Lu, D. (2026). Psychiatric Disorders Among Fathers in Sweden Before, During, and After Partner Pregnancy. JAMA network open, 9(3), e262725. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2026.2725 · Deutsche Ärztezeitung, 27.4.2026 · DHZ
