Ab wann postpartale Blutungen gefährlich werden, wird oft durch bloßen Augenschein beurteilt. Die WHO plädiert deshalb für exakte Messungen. Foto: © Gina Sanders/stock.adobe.com
Postpartale Blutungen zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen der Müttersterblichkeit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind jährlich rund 27 Millionen Frauen betroffen, etwa 43.000 sterben an den Folgen. Die Organisation fordert deshalb eine frühere und präzisere Diagnostik: Statt den Blutverlust nach der Geburt lediglich visuell zu schätzen, sollte er möglichst exakt gemessen werden.
Wichtige Ursachen mütterlicher Todesfälle
Postpartale Blutungen treten laut WHO bei 12,6 % der vaginalen Geburten und bei 30,9 % der Kaiserschnittgeburten auf. Verzögerungen bei Diagnose und Behandlung können lebensbedrohlich sein. Auch in Ländern mit guter medizinischer Versorgung zählen sie zu den wichtigsten Ursachen mütterlicher Todesfälle.
Zu den häufigsten Auslösern gehören eine unzureichende Kontraktion der Gebärmutter, Verletzungen der Geburtswege, Plazentastörungen und Gerinnungsstörungen. Risikofaktoren sind unter anderem Mehrlingsschwangerschaften, Kaiserschnitt und Adipositas.
Standardisierte Messverfahren
Zur Vorbeugung werden Uterotonika eingesetzt. Weitere Maßnahmen umfassen die Behandlung einer Anämie sowie die Vermeidung medizinisch nicht notwendiger Kaiserschnitte. Da Studien zufolge etwa die Hälfte der postpartalen Blutungen übersehen wird, empfiehlt die WHO standardisierte Messverfahren, etwa spezielle Auffangtücher zur Bestimmung des Blutverlusts.
Nach WHO-Kriterien kann bereits ein Blutverlust von 300 ml in Kombination mit auffälligen Vitalparametern auf eine postpartale Blutung hinweisen. Durch die konsequente Umsetzung evidenzbasierter Maßnahmen könnten nach Einschätzung der WHO jedes Jahr tausende Todesfälle verhindert werden.
Quelle: dpa, 13.6.2026 ∙ DHZ
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