Wissenschaftliches Arbeiten kann Spaß machen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen und alle Schritte gut geplant sind.
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Nicht nur das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit selbst, sondern auch die Organisation vor und während des Schreibens ist eine Herausforderung. Ein großer Aspekt dabei ist die Kommunikation mit dem/der Betreuer:in. Wie kann das Projekt gelingen?
Das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit ist ein großer Schritt in der zukünftigen Karriere. Um ihn zu gehen, sollte man gut vorbereitet sein und mit System an den Prozess gehen. Im Folgenden werden Tipps für die gelungene Planung, Durchführung und Fertigstellung einer wissenschaftlichen Arbeit gegeben.
Vor der Bewerbung
Zuerst sollten Sie sich über Ihre Interessen klarwerden und sich einen Überblick über die Forschung an Ihrer Einrichtung verschaffen. Überlegen Sie sich, mit wem Sie auf Ihrem Interessengebiet am besten zusammenarbeiten könnten. Die Person, die Sie betreut, wird eine zentrale Rolle bei der Anfertigung Ihrer Arbeit spielen. Überlegen Sie, welche Person bezüglich Ihres Themas in Frage kommt. Folgende Kriterien können dabei helfen:
- Gibt es wissenschaftliche Expertise im Forschungsgebiet? (Die Betreuung muss das konkrete Thema nicht zwingend fachlich abdecken.)
- Gibt es Erfahrung und Erfolg in der Betreuung von wissenschaftlichen Arbeiten?
- Werden regelmäßig Einzelgespräche mit den Studierenden angeboten?
- Ist eine verlässliche Erreichbarkeit gewährleistet?
In Bezug auf die Abteilung der betreuenden Person sollten Sie durch Literaturrecherche herausfinden:
- Gibt es Publikationen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften mit Peer-Review-Verfahren und Listung in Literaturdatenbanken wie PubMed oder Web of Science?
- Sind in den Publikationen der Abteilung Studierende die Erstautor:innen oder gleichberechtigte Erstautor:innen und ist der/die Betreuer:in Hauptautor:in (engl. senior author)?
- Werden die Arbeiten der Abteilung von anderen Wissenschaftler:innen zitiert?
- Erst- und Letztautorenschaft sind bei einer wissenschaftlichen Publikation von besonderer Bedeutung und klar geregelt: Wenn Sie als Studierende den Hauptbeitrag zur Arbeit geleistet haben, d. h. den Großteil der zugrunde liegenden Forschung/Untersuchung durchgeführt haben, sollten Sie Erstautor:in oder einer der gleichberechtigten Erstautor:innen sein. Die Position der Letztautor:innen (= Hauptautor:innen), ist den Arbeitsgruppenleiter:innen vorbehalten, in deren Forschungsabteilungen/-einrichtungen der Großteil der Versuche/Untersuchungen durchgeführt wurde.
In den meisten Fällen können Sie das Thema der Arbeit selbst wählen. Meist liegt eine Auswahl von möglichen Themen einer Abteilung vor. Manchmal aber handelt es sich auch um ein ausgeschriebenes Projekt, das Sie bearbeiten werden, oder um eine Fragestellung, die für den/die Betreuer:in von Interesse ist.
Kontaktaufnahme und Bewerbung
Wenn Sie die oben genannten Fragen für sich geklärt haben, kontaktieren Sie die Leitung der Abteilung für die Sie sich interessieren. Gibt es mehrere Abteilungen, die in Frage kommen, kontaktieren Sie ggf. auch die anderen, um mehrere Optionen in der Hand zu haben.
Es ist von Vorteil, wenn Sie bereits bei der Bewerbung Ihr konkretes Interesse an den Forschungsarbeiten der Abteilung bekunden und ggf. Ideen äußern, wie und in welchem Umfang Sie sich einbringen können. Spätestens vor dem Erstgespräch sollten Sie sich durch eine gründliche Literatur- und Internetrecherche über die Abteilung, ihre Forschungsprojekte und ihre Mitglieder informieren. Während des Gesprächs sollten Sie in der Lage sein, gezielte Fragen zum Thema Ihrer geplanten Arbeit, aber auch zu anderen Forschungsprojekten der Abteilung zu stellen.
Das Erstgespräch
Die Person, die das Gespräch mit Ihnen führt und Sie über das Thema Ihrer zukünftigen Arbeit informiert (meist die Leitung der Abteilung), wird Sie in der Regel nicht direkt betreuen. Erkundigen Sie sich deshalb nach der Person, die Sie in der Abteilung betreuen wird, und bitten Sie darum, diese Person ebenfalls kennenzulernen.
Während des Gesprächs sollten nicht nur die betreuenden Personen etwas über Sie und Ihre Pläne erfahren, sondern auch Sie etwas über deren Pläne. Welche Pläne gibt es für die Zukunft? Es ist wichtig, dass die betreuenden Personen während der gesamten Dauer ihrer Arbeit gut erreichbar sind und ausreichend Zeit haben.
Informieren Sie sich über Ihr zukünftiges Thema: Gibt es ein Konzept oder bereits einen Zeitplan? Wichtig ist zu prüfen: Passen die Vorgaben (z. B. Arbeitspensum, Zeitrahmen) zu meiner persönlichen Situation und zu meinen Bedürfnissen (Studium, Praktika, Beruf, Familie)? Kann ich das leisten? Wenn Sie davon überzeugt sind, dass Sie die Erwartungen Ihrer betreuenden Personen an Ihr Arbeitsengagement nicht erfüllen können, sprechen Sie dies unbedingt an und fragen Sie nach möglichen Lösungen.
Informieren Sie sich über das zu untersuchende Material bzw. die zu erhebenden Daten: Ist bereits alles vorhanden oder muss das Material erst gesammelt, bzw. müssen die Daten erst erhoben werden? Fallen Material oder Daten regelmäßig und häufig oder nur sporadisch und selten an? Haben Sie die Möglichkeit, das Material/die Daten selbst zu beschaffen oder sind Sie auf die Hilfe Dritter angewiesen? Es ist immer besser, bei der Durchführung und Auswertung von Versuchen/Untersuchungen nicht auf die Hilfe Dritter angewiesen zu sein. Durch die eigene Beschaffung von Proben, die Durchführung von Experimenten und klinischen Untersuchungen sowie die eigene Erfassung von medizinischen- und Labordaten, kann die erforderliche Kompetenz, Sorgfalt und Konsistenz am besten sichergestellt werden. Dies hilft, die Begeisterung für ein Projekt beizubehalten und die Qualität der Proben oder Untersuchungen zu sichern. Das gilt auch für die Auswertung und Klassifizierung der Ergebnisse, insbesondere dann, wenn die Auswertung und Klassifizierung von Befunden nicht frei von persönlichen Einflüssen ist. In diesem Fall ist es besonders vorteilhaft, die Auswertung und Klassifizierung von Befunden selbst durchzuführen, um sicherzustellen, dass dies stets von derselben Person mit gleichbleibender Sorgfalt und Sichtweise erfolgt.
Was Sie sonst noch wissen sollten
- Liegen die für die geplanten Untersuchungen erforderlichen positiven Gutachten (z. B. Ethikvotum) vor, bzw. befinden sich die Anträge in der Begutachtungsphase oder müssen sie noch erstellt und eingereicht werden? Je nach Umfang und Komplexität der geplanten Untersuchungen kann sich das entsprechende Genehmigungsverfahren über einen längeren Zeitraum erstrecken. In der Regel darf mit den Untersuchungen erst begonnen werden, wenn die entsprechenden positiven Bescheide vorliegen.
- Sind die für die geplanten Untersuchungen erforderlichen Voraussetzungen am Standort vorhanden, werden die erforderlichen Verfahren und Methoden am Standort erfolgreich angewendet oder müssen die Voraussetzungen erst hergestellt und die Verfahren/Methoden etabliert werden?
Bedanken Sie sich am Ende des Gesprächs für die erhaltenen Informationen, aber treffen Sie keine sofortige Entscheidung. Bitten Sie um Bedenkzeit und klären Sie, wie Sie später noch auftauchende Fragen stellen können (Telefon, E-Mail, zweites Gespräch).
Nach dem Gespräch
Recherchieren Sie selbst in Literaturdatenbanken (z. B. PubMed oder Web of Science) zum Thema und klären Sie, ob dies an den aktuellen Wissensstand anknüpft, offene Fragen beantwortet und/oder Wissenslücken schließt. Beantworten Sie sich ehrlich die folgende Frage: Wie realistisch ist die Durchführung der Arbeit für mich, insbesondere im Hinblick auf Methode, Umfang und Zeitplan unter Berücksichtigung meiner persönlichen Situation?
Ihre wissenschaftliche Arbeit beginnt
Spätestens von nun an sollten Sie für Ihr Thema brennen, egal, wie spannend andere Ihr Thema finden! Trotzdem sollten Sie einen kühlen Kopf bewahren. Führen Sie eine Untersuchung oder Recherche nicht nur um der Sache willen durch. Dokumentieren Sie nicht nur um der Dokumentation willen. Jede Untersuchung oder Recherche sollte eine Antwort auf eine zuvor gestellte Frage liefern. Jede Dokumentation sollte geeignet sein, später als Grundlage für die zu berichtenden Ergebnisse zu dienen. Lassen Sie zwischen der Idee für eine Untersuchung oder Recherche und deren Durchführung bewusst Zeit verstreichen. Oft ändert sich der Ansatz noch einmal oder die Notwendigkeit, eine Untersuchung überhaupt durchzuführen. Gehen Sie jeden Schritt mit einer positiven Einstellung an. Sie müssen davon überzeugt sein, dass Sie Ihrem Ziel näherkommen: »be on fire!«
Ein wesentlicher Aspekt dabei ist der Zeitplan. Grenzen Sie wichtige Phasen voneinander ab (Konkretisierung des Themas, Literaturrecherche, Methodenwahl, Untersuchung, Schreibphase, Abschluss/Diskussion). Planen Sie »Joker« für unvorhergesehene Ereignisse ein, um nicht in Zeitdruck zu geraten. Machen Sie sich zu jeder Untersuchung genaue Notizen, auch wenn Sie glauben, dass Sie sich später noch genau daran erinnern. Falls eine Untersuchung nicht funktioniert, überprüfen Sie zuerst Ihr Vorgehen und den Untersuchungsansatz oder fragen Sie eine erfahrene Person um Rat. Es ist nicht zulässig, eine Untersuchung zu wiederholen, ohne vorher systematisch nach dem Fehler gesucht zu haben.
Nutzen Sie jede Gelegenheit, um über Ihre Arbeit zu sprechen. Der größte Nutzen besteht darin, dass Sie sich von Zeit zu Zeit hinsetzen, Ihre Ergebnisse auswerten, organisieren, zusammenfassen und reflektieren!
Schreiben Sie Ihre Arbeit vom ersten Tag an. Jeder zusätzliche Satz, jeder zusätzliche Absatz, jede zusätzliche Seite gibt Ihnen ein wunderbares Erfolgserlebnis! Dinge wie Titelblatt, Einleitung, Materialien und Methoden, Danksagung, Unabhängigkeitserklärung usw. können Sie zumindest teilweise vorformulieren, wenn Sie noch keine Ergebnisse haben!
Am besten bereitet man sich auf das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit vor, indem man viel liest. Dabei muss es sich nicht nur um themenbezogene Fachliteratur handeln. Auch regelmäßiges Lesen von Romanen oder Krimis hilft Ihnen beim Schreiben Ihrer Arbeit, da es Ihre Sprachkompetenz steigert!
Regelmäßige Treffen
Ihr:e Betreuer:in sollte Ihnen die Möglichkeit persönlicher Treffen anbieten. Schicken Sie im Voraus Ihre Arbeitsergebnisse und teilen Sie Ihre weiteren Vorhaben mit (Daten, Entwürfe oder Arbeiten von Dritten). Damit schaffen Sie Gesprächsgrundlagen und Ihr:e Betreuer:in kann sich auf das Gespräch gut vorbereiten.
Während des Treffens sollten Sie alle Probleme und Anliegen besprechen, über den Stand Ihrer Arbeit berichten, Ihre aktuellen Ergebnisse erläutern und Ihre zukünftigen Untersuchungen vorstellen. Außerdem sollten Sie alle administrativen Angelegenheiten ansprechen.
Höhen und Tiefen
Wissenschaftliches Arbeiten macht Spaß! Schließlich betritt man mit seiner Arbeit Neuland und bringt die Menschheit voran. Dennoch gibt es dabei nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen, das ist ganz normal. Wenn Sie aber nur noch unzufrieden und unglücklich mit Ihrer Arbeit sind, dann ist es an der Zeit, den Ursachen auf den Grund zu gehen, sie anzusprechen und gemeinsam mit Ihrem Betreuer/Ihrer Betreuerin nach Lösungen zu suchen. Eventuell hilft eine Veränderung in der Betreuung oder eine andere Betrachtungsweise des Themas. Ist dies nicht der Fall, sollte man erwägen, die laufende Arbeit abzubrechen und neu anzufangen. Zu Beginn macht dies natürlich mehr Sinn als am Ende. Hat man schon zu viel Energie hineingesteckt, ist es sinnvoller, die Arbeit fertigzustellen.
Aber Achtung: Aller Anfang ist schwer. Gönnen Sie sich etwas Zeit zum Überlegen und werfen Sie nicht gleich die ganze Arbeit »über Bord«. Manchmal hilft ein klärendes Gespräch oder eine kleine »Verschnaufpause«, um neue Energien zu tanken und mit der Arbeit fortzufahren.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

