Ein höheres Alter der Eltern war in einer japanischen Studie mit einer niedrigeren Rate von Allergien bei deren Kindern verbunden. Foto: © Matthias Stolt/stock.adobe.com

Ein höheres Lebensalter der Eltern gilt als Risikofaktor für verschiedene gesundheitliche Beeinträchtigungen beim Nachwuchs. Zugleich könnten damit jedoch auch potenzielle Vorteile verbunden sein. Darauf weist eine Kohortenstudie aus Japan hin, die in JAMA Network Open veröffentlicht wurde und unter anderem eine geringere Allergierate bei Kindern älterer Eltern beschreibt.

In zahlreichen Ländern verschiebt sich das Gebäralter zunehmend nach hinten; Schwangerschaften bei Frauen über 35 Jahren sind inzwischen häufig. Mit steigendem maternalen Alter nehmen allerdings Risiken wie Fehlgeburten und kongenitale Fehlbildungen zu. Auch ein höheres Alter des Vaters wird mit einer erhöhten Rate angeborener Störungen in Verbindung gebracht.

Befragung zu Gesundheitsaspekten

Vor diesem Hintergrund ging das Team um Kiwako Yamamoto-Hanada vom National Center for Child Health and Development in Tokio zunächst davon aus, dass Kinder älterer Eltern ebenfalls häufiger Allergien entwickeln. Eine Auswertung der Japan Environment and Children’s Study (JECS) bestätigte diese Annahme jedoch nicht.

Die JECS untersucht an 15 Standorten in Japan Umwelteinflüsse auf die kindliche Gesundheit. Im Alter von 1, 2 und 4 Jahren wurden die Eltern zu verschiedenen Gesundheitsaspekten ihrer Kinder befragt, darunter Nahrungsmittelallergien, pfeifende Atemgeräusche (Wheezing), Asthma sowie Ekzeme.

In die Analyse gingen die Daten von 34.942 Mutter-Kind-Paaren ein. Das durchschnittliche Alter der Mütter lag bei 31,0 Jahren, mehr als die Hälfte berichtete über eine eigene Allergieerkrankung. Im Alter von einem Jahr wiesen 6,6 % der Kinder eine Nahrungsmittelallergie auf.

Überraschende Ergebnisse

Entgegen der ursprünglichen Erwartung nahm die Prävalenz mit steigendem Alter der Mutter ab: von 7,3 % bei Müttern im Alter von 25 bis 29 Jahren auf 6,1 % bei 35- bis 39-Jährigen und auf 4,3 % bei Müttern ab 40 Jahren. Die entsprechenden Odds Ratios waren jeweils statistisch signifikant; für Kinder der ältesten Müttergruppe lag sie bei 0,59 [0,44–0,79].

Auch im Alter von vier Jahren traten bei Kindern älterer Mütter seltener pfeifende Atemgeräusche auf, die als Hinweis auf eine bronchiale Obstruktion und mögliches beginnendes Asthma gelten. Bei einem mütterlichen Alter über 35 Jahre betrug die Odds Ratio 0,89 [0,82; 0,95].

Darüber hinaus wurde eine Sensibilisierung gegenüber Hausstaubmilben im Alter von zwei und vier Jahren seltener beobachtet. Für Mütter im Alter von 35 bis 39 Jahren ergab sich eine Odds Ratio von 0,68 [0,50; 0,91]. Ein höheres Alter des Vaters war ebenfalls mit einer geringeren Allergieneigung der Kinder assoziiert.

Gründe bisher ungeklärt

Eine abschließende Erklärung für diese Beobachtungen liefert die Studie nicht. Diskutiert wird unter anderem, dass mit höherem Alter häufig eine größere ökonomische und soziale Stabilität einhergeht. Eltern könnten beruflich gefestigt sein und über einen stabileren Lebensstil verfügen, was ein förderlicheres Bildungs- und Lebensumfeld für die Kinder ermögliche. Zudem wird eine höhere psychologische Resilienz in der Erziehung als möglicher Einflussfaktor erwogen.

Quelle: Yamamoto-Hanada, K., Harama, D., Sato, M., et al. Parental Age and Childhood Allergy Risk. JAMA Netw Open. 2026;9(1):e2554694. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.54694 ∙ Deutsches Ärzteblatt ∙ DHZ