Eine neue Studie liefert gute Grundlagen für die Beratung von Frauen mit Endometriose, die sich Kinder wünschen. Foto: © Maryna/stock.adobe.com

Frauen, die wegen Endometriose bisher kinderlos sind, haben deutlich höhere Chancen auf eine Schwangerschaft als Frauen, deren Unfruchtbarkeit andere Ursachen hat. Das zeigt eine populationsbasierte Studie aus England, deren Ergebnisse im Fachjournal Human Reproduction veröffentlicht wurden. Geleitet wurde die Studie von Lucky Saraswat vom Aberdeen Centre of Women’s Health Research an der University of Aberdeen, Schottland.

Für die Arbeit wurden Routinedaten von 4.041.770 Frauen im Alter von 13–50 Jahren ausgewertet, die zwischen 1991 und 2020 in England wegen Infertilität (n=245.994) oder anderer endometrioseassoziierter Symptome ihre Hausärzt:innen aufgesucht hatten. Bei 111.197 Frauen wurde über den 30-jährigen Studienzeitraum eine Endometriose mittels Laparoskopie oder Laparotomie diagnostiziert.

Endometriose wird spät erkannt

Die Prävalenz weiblicher Infertilität in der Gesamtpopulation betrug 48,9 pro 1.000 Frauen – mit den höchsten Raten bei den 30- bis 39-Jährigen. Unter den Frauen mit Infertilität lag bei 6,1 % (n=14.904) eine chirurgisch bestätigte Endometriose vor. Auffällig: In 57,4 % dieser Fälle war die Infertilität bereits vor der Endometrosediagnose bekannt – ein Hinweis auf die nach wie vor bestehenden Verzögerungen bei Diagnostik und Therapie der Erkrankung.

Die Studie bestätigte den engen Zusammenhang zwischen Endometriose und Fertilitätsproblemen. Frauen mit Infertilität hatten doppelt so häufig eine Endometriose wie Frauen mit Kindern. Bemerkenswert war jedoch ein anderer Befund: Frauen mit endometriosebedingter Infertilität wurden viermal häufiger schwanger als Frauen mit Infertilität aufgrund anderer Ursachen wie Ovulationsstörungen, tubarer Sterilität oder idiopathischer Infertilität.

Schwangerschaftsrate vergleichsweise hoch

Insgesamt erlebten 40,5 % der Frauen mit Endometriose – unabhängig vom Infertilitätsstatus – während des Studienzeitraums mindestens eine Schwangerschaft.

Als mögliche Erklärungen für die vergleichsweise hohen Schwangerschaftsraten bei Endometriose nannte Studienautorin Anita Saraswat mehrere Faktoren: »Endometriose wirkt sich unterschiedlich stark auf die Fertilität aus. Frauen mit milderen Formen behalten oft ein gutes reproduktives Potenzial, insbesondere wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt wird. Zudem gibt es moderate Evidenz, dass eine laparoskopische Therapie bei einigen Betroffenen die Schwangerschaftsraten verbessern kann.«

Solide Basis für die Beratung

»Unsere Daten liefern eine solide Grundlage für die Beratung von Patientinnen mit neu diagnostizierter Endometriose“, so Saraswat. „Dazu gehören realistische Informationen über das Risiko für Infertilität und die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft.«

Diese Erkenntnisse könnten zugleich die Basis für künftige Studien bilden, in denen Einflussfaktoren wie Krankheitsstadium, Lokalisation, chirurgische Therapie oder assistierte Reproduktion untersucht werden.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 14.7.2025 · DHZ