Im März 1886 erschien die erste Ausgabe der Berliner Hebammen-Zeitung. Die erste Zeitschrift, die sich auf die Belange der Hebammen fokussierte. Es war ein berufspolitischer Akt: die Überzeugung, dass aktuelle Informationen und Fachwissen für diese Berufsgruppe essenziell sind und dass es für berufspolitische Veränderungen Vernetzung braucht.
Olga Gebauer, die »Erfinderin« der Zeitschrift, stand mit dieser Vision zunächst alleine da. Selbst ihre Mitstreiterinnen aus dem 1885 gegründeten ersten Hebammenverband ließen sich nicht für dieses Projekt begeistern. So gab sie die ersten Ausgaben im Eigenverlag heraus. Drei Ausgaben später konnte sie einen Verleger von ihrem Vorhaben überzeugen – die Zeitschrift erschien im Elwin Staude Verlag.
Der Blick auf die Anfänge der Zeitschrift und diese so inspirierende Pionierin berühren mich: Wie viel ist möglich, wenn Menschen eine Vision haben, wenn sie gemeinsam Veränderung bewirken. 140 Jahre später gibt es diese Zeitschrift noch immer – sie erreicht und vernetzt Hebammen bis heute.
Meine Familie ist seit Generationen eng mit den Anliegen der Hebammen verbunden. Ich selbst begleite als Verlegerin in fünfter Generation seit über 25 Jahren die Veränderungen des Berufsstandes. Unser Sohn, Tjabbe Zickfeldt, bringt sich seit Dezember in sechster Generation mit digitaler Expertise ein.
Als ich 2000 in den Verlag einstieg, hatte sich der Bund Deutscher Hebammen gerade von der DHZ als Verbandsorgan getrennt – für mich eine Chance, die Verantwortung für eine unabhängige Fachzeitschrift zu übernehmen, die ich quasi neu erfinden durfte. Das war und ist eine spannende, verantwortungsvolle und eine wunderbare Aufgabe.
Seitdem hat sich viel getan: Die Hebammen wurden in die Selbstverwaltung entlassen, die Leistungen der Hebammenhilfe wurden ins SGB V überführt, der Berufsstand ist inzwischen akademisiert.
Ich habe erlebt, wie sich die Berufspolitik professionalisiert hat – notwendigerweise, denn für die Verhandlungsprofis auf der anderen Seite braucht es ein kompetentes Gegenüber. Diese Expertise haben sich die Hebammen hart erarbeitet.
Wie wichtig berufspolitisches Engagement ist, wird in den Artikeln, die Katja Baumgarten als verantwortliche Redakteurin für dieses Heft zusammengestellt hat, deutlich. Ich bin überzeugt: Olga Gebauer wäre stolz, wenn sie – bei allen bestehenden Missständen – die aktuelle Entwicklung sehen würde. Und sie wäre stolz, dass »ihre« Fachzeitschrift auch heute noch kritisch und mit viel Engagement auf die Entwicklungen des Hebammenberufs blickt, Impulse gibt, Hebammen vernetzt und fortbildet.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen, immer vernetzt zu bleiben und unsere Stärken zu bündeln.
