Das biologische Risiko für aggressiven Brustkrebs erhöht sich für junge Mütter in den ersten drei Jahren nach der Geburt. Foto: © Jo Panuwat D/stock.adobe.com
Laut einer neuen Studie könnten Brustkrebserkrankungen, die bei Müttern in den ersten drei Jahren nach der Geburt – und insbesondere im ersten Jahr – diagnostiziert werden, biologisch aggressiver sein als vergleichbare Tumoren bei Frauen, die nie ein Kind zur Welt gebracht haben.
Die Ergebnisse der Studie unter Leitung des UCLA Health Jonsson Comprehensive Cancer Center in Los Angeles stützen die Hinweise darauf, dass es sich bei postpartalem Brustkrebs möglicherweise um eine eigenständige Form der Erkrankung handelt. Zudem deuten sie darauf hin, dass die Phase des höchsten biologischen Risikos früher eintreten könnte als bisher angenommen.
Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Brustkrebserkrankungen, die kurz nach der Geburt diagnostiziert werden, häufiger aggressive Merkmale aufweisen und mit einer schlechteren Prognose einhergehen. Bislang herrscht jedoch unter Forschenden keine Einigkeit darüber, wie lange diese Phase des erhöhten Risikos anhält. Während einige Studien postpartalen Brustkrebs als eine Erkrankung definieren, die innerhalb von ein oder zwei Jahren nach der Geburt auftritt, beziehen andere bis zu fünf oder sogar zehn Jahre mit ein.
Analyse der Tumorbiologie
Um das Zeitfenster des erhöhten Risikos genauer zu bestimmen, untersuchte das Team der UCLA, ob die Tumorbiologie in Abhängigkeit von der Zeitspanne seit der letzten Geburt variierte. Die Forschenden analysierten Daten von 385 Frauen im Alter von 45 Jahren oder jünger, die zwischen 2011 und 2024 an der UCLA wegen eines hormonrezeptor-positiven, HER2-negativen Brustkarzinoms im Frühstadium behandelt worden waren.
Jeder Tumor wurde mittels des Oncotype DX Breast Recurrence Score (Rezidiv-Score) analysiert – einem weit verbreiteten genomischen Test, der die Aktivität von 21 Genen bewertet, die mit dem Risiko eines Rezidivs und dem potenziellen Nutzen einer Chemotherapie in Zusammenhang stehen.
Die Forschenden gruppierten die Patientinnen anhand des Zeitraums zwischen der letzten Geburt und der Brustkrebsdiagnose und verglichen Frauen, die nie ein Kind zur Welt gebracht hatten, mit solchen, bei denen die Diagnose zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach der Geburt gestellt worden war. Anschließend untersuchten sie, ob sich die Rezidiv-Scores und andere Tumormerkmale zwischen diesen Gruppen unterschieden und ob bestimmte Muster auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter und Lymphknotenstatus bestehen blieben.
Höheres Rezidivrisiko in den ersten drei Jahren
Sie stellten fest, dass Brusttumoren, die im ersten Jahr nach der Geburt diagnostiziert wurden, signifikant höhere Rezidiv-Scores aufwiesen als Tumoren bei Frauen, die nie ein Kind zur Welt gebracht hatten. Dies deutet auf biologische Merkmale hin, die mit einem höheren Rezidivrisiko verbunden sind. Erhöhte Werte zeigten sich – wenn auch in geringerem Ausmaß – auch im zweiten und dritten Jahr nach der Geburt.
Bei einer breiteren Gruppierung der Patientinnen zeigte sich, dass Frauen, bei denen die Diagnose innerhalb von drei Jahren nach einer Geburt gestellt wurde, mit fast dreifach höherer Wahrscheinlichkeit in eine Kategorie mit höherem Rezidiv-Score fielen als Frauen, die nie ein Kind zur Welt gebracht hatten. Zudem wiesen diese Patientinnen häufiger höhergradige Tumoren auf. Im Gegensatz dazu zeigten Frauen, deren Diagnose mehr als drei Jahre nach der Geburt erfolgte, keinen Anstieg der Rezidiv-Scores.
Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass die reproduktive Vorgeschichte bei der Interpretation genomischer Testergebnisse jüngerer Patientinnen zusätzliche wichtige Informationen liefern könnte.
Keine schlechteren Kurzzeitergebnisse
Trotz der aggressiveren genetischen Merkmale ergab die Studie keine Hinweise darauf, dass Frauen mit einer Diagnose innerhalb von drei Jahren nach der Geburt signifikant schlechtere kurzfristige Behandlungsergebnisse aufwiesen. Nach einer Nachbeobachtungszeit von etwa vier Jahren ähnelten die Rezidiv- und Überlebensraten denen der übrigen Studienteilnehmerinnen.
Als mögliche Erklärung führen die Forschenden an, dass Frauen mit Tumoren höheren Risikos eine intensivere Behandlung erhielten, einschließlich Chemotherapie, Unterdrückung der Eierstockfunktion und neuerer zielgerichteter Therapien. Die Ergebnisse legen zudem nahe, dass eine aggressive Tumorbiologie nicht zwangsläufig zu schlechteren kurzfristigen Ergebnissen führen muss, sofern die Patientinnen eine wirksame Behandlung erhalten.
Schlussfolgerung
Auch wenn größere, institutionsübergreifende Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen erforderlich sind, um diese Ergebnisse zu bestätigen, sollte der postpartale Status nach Ansicht der Forschenden bei der Beurteilung und Behandlung von Brustkrebs bei jüngeren Frauen stärker berücksichtigt werden.
Zhang, S., Queen, K. J., Duggirala, N., Yang, E., Lipsyc-Sharf, M., Racz, J., Bennett, J., Hong, K., Suresh, Y., Hamilton, C., Pitta, M., Chien, N., La, E., Russell, C. A., Bardia, A., & Kapoor, N. S. (2026). Identifying the window of aggressive postpartum breast cancer based on the 21-gene Oncotype DX® test in women with HR+, HER2-negative breast cancer. NPJ breast cancer, 10.1038/s41523-026-01002-2. Advance online publication. https://doi.org/10.1038/s41523-026-01002-2 · Biermann Medizin, 16.7.2026 · DHZ
