Essstörungen bei werdenden Müttern stehen laut aktueller Forschung im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Asthma und Atemnot bei ihren Kindern. Foto: © gpointstudio/stock.adobe.com
Nach aktuellen Erkenntnissen einer italienischen Forschungsgruppe, die im Fachjournal Thorax publiziert wurden, weisen Essstörungen werdender Mütter auf ein erhöhtes Risiko für Asthma und Atemnot bei ihren Kindern hin – unabhängig von der spezifischen Ausprägung der Essstörung sowie dem gleichzeitigen Vorliegen depressiver oder angstbezogener Symptome. Die Autor:innen sprechen sich deshalb dafür aus, entsprechende Störungen systematisch in die Gesundheitsversorgung zu integrieren.
Für ihre Analyse nutzte das Team Daten von 131.495 Mutter-Kind-Paaren aus 7 europäischen Geburtskohorten des EU Child Cohort Network (EUCCN). Untersucht wurde, ob Essstörungen der Mutter in der Zeit vor der Schwangerschaft mit Atemnot im Vorschulalter beziehungsweise mit Asthma im Schulalter der Kinder in Zusammenhang stehen.
Darüber hinaus differenzierten die Forschenden zwischen verschiedenen Formen der Essstörung – Anorexie und Bulimie – und prüften, ob die Störungen pränatal oder postnatal auftraten. Zusätzlich wurde erhoben, ob die betroffenen Frauen gleichzeitig unter Depressionen oder Angststörungen litten.
Atemnot im Vorschulalter
Die Prävalenz maternaler Essstörungen vor der Schwangerschaft variierte in den Kohorten stark und lag zwischen knapp 1 % und 17 %. Komorbide depressive oder angstbezogene Erkrankungen traten bei 11 % bis 75 % der Frauen mit Essstörungen auf.
Eine Essstörung vor Eintritt der Schwangerschaft war mit einem um 25 % erhöhten Risiko für Atemnot im Vorschulalter sowie einem um 26 % gesteigerten Risiko für Asthma im Schulalter assoziiert. Während die Ergebnisse zur Atemnot deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Kohorten zeigten, waren die Asthmaassoziationen konsistenter.
Nach Ausschluss von Müttern mit Depressionen oder Angststörungen schwächten sich die Risikoerhöhungen leicht ab. Die Zusammenhänge zeigten sich sowohl für Anorexie als auch für Bulimie. Ein erhöhtes Auftreten von Atemgeräuschen im Vorschulalter fand sich jedoch ausschließlich bei Bulimie.
Pathogenese unklar
Ein spezifisches Zeitfenster erhöhter Vulnerabilität ließ sich laut Analyse nicht identifizieren. Die Forschenden betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, so dass kausale Schlussfolgerungen nicht möglich sind. Darüber hinaus sei bislang ungeklärt, über welche biologischen oder psychosozialen Mechanismen die psychische Gesundheit der Mutter mit respiratorischen Erkrankungen im Kindesalter verknüpft sein könnte.
Quelle: Popovic, M., Maule, M., Moccia, C., et al. (2025). Maternal eating disorders and respiratory outcomes in childhood: Findings from the EU Child Cohort Network. Thorax. Advance online publication. https://doi.org/10.1136/thorax-2025-223718 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 10.12.2025 ∙ DHZ
