Fast jede zweite Südkoreanerin nimmt während der Schwangerschaft mindestens einmal Antibiotika, meist wegen Harnwegsinfektionen. Foto: © เลิศลักษณ์ ทิพชัย/stock.adobe.com

Eine aktuelle Studie aus Seoul widerspricht der Annahme, dass Antibiotika bei Schwangeren und Säuglingen die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen begünstigen würde: Eine bevölkerungsbasierte Analyse verglich die Daten der staatlichen Krankenversorgung von 1,52 Millionen Kindern, deren Mütter zwischen 2008 und 2021 in der Schwangerschaft Antibiotika eingenommen hatten, mit denen von 1,19 Millionen nicht exponierter Kinder.

Fast jede zweite südkoreanische Schwangere bekommt mindestens einmal Antibiotika, meist wegen Harnwegsinfektionen. Genauso viele Säuglinge bekommen Antibiotika gegen Atemwegserkrankungen.

Keine erhöhten Risiken

Doch laut Studie waren die Antibiotika in der Schwangerschaft nicht mit einem signifikanten Anstieg von Typ-1-Diabetes assoziiert (Hazard Ratio 1,14 [0,96; 1,35]), ebenso wenig mit juveniler idiopathischer Arthritis (Hazard Ratio 1,02 [0,85; 1,22]), Colitis ulcerosa (Hazard Ratio 1,02 [0,76; 1,37]), Morbus Crohn (Hazard Ratio 1,16 [0,98; 1,36]), systemischem Lupus erythematodes (Hazard Ratio 0,70 [0,49; 1,01]) oder einer Hashimoto-Thyreoiditis (Hazard Ratio 1,06 [0,91; 1,23]).

Auch im Säuglingsalter führte die Gabe von Antibiotika nicht zu einem signifikanten Anstieg von Erkrankungen an Typ-1-Diabetes (Hazard Ratio 1,05 [0,88; 1,26]), juveniler idiopathischer Arthritis (Hazard Ratio 1,11 [0,93; 1,33], Colitis ulcerosa (Hazard Ratio 0,95 [0,67; 1,36], Morbus Crohn (Hazard Ratio 1,07 [0,91; 1,25], systemischem Lupus erythematodes (Hazard Ratio 1,46 [0,95; 2,26] oder Hashimoto-Thyreoiditis (Hazard Ratio 1,14; 0,97; 1,33].

Kritische Stimmen

Zuvor waren zwei schwedische Studien zu anderen Ergebnissen gekommen: Laut einer Kohortenstudie von 2019 entwickelten Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Antibiotika bekommen hatten, später fast doppelt so häufig eine entzündliche Darmerkrankung. Und 2020 zeigte eine Studie bei Kindern, die als Säuglinge mit Antibiotika behandelt worden waren, ein leicht erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes.

Die südkoreanische Forschungsgruppe weist darauf hin, dass epidemiologische Studien einen Zusammenhang nicht sicher ausschließen können. Deshalb sollten Antibiotika bei Schwangeren und Säuglingen nicht leichtsinnig eingesetzt werden.

Quelle: Choi, E. Y., Bea, S., Lee, H., Choi, A., Han, J. Y., Kang, E. H., & Shin, J. Y. (2025). Exposure to antibiotics during pregnancy or early infancy and the risk of autoimmune disease in children: A nationwide cohort study in Korea. PLoS medicine, 22(8), e1004677. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1004677 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 26.8.2025 ∙ DHZ