Illustration: © Birgit Heimbach

Darf ich vorstellen: der Geburtsplan. Badewanne. Keine PDA. Viel Bewegung und aufrechte Positionen. Die Nabelschnur auspulsieren lassen. Freundlicher Umgang. In gefühlten 89 % der Geburtspläne stehen diese Punkte. Klingt ja erstmal ganz logisch, so ein Plan, der für das unbekannte Geschehen »Geburt« wappnen soll. Doch jenseits dieser Wünsche, von denen viele ohnehin Usus sein sollten, liegt noch etwas anderes: die Vorstellung, eine Geburt lasse sich planen. Und genau darin liegt möglicherweise weniger Sicherheit als vielmehr das Potenzial für Enttäuschung.

Eine Geburt kann Angst machen – besonders in einer Gesellschaft, in der mit genügend Zeit und Geld schier alles kontrollierbar und möglich erscheint. Doch da ist er nun, der Geburtsprozess: individuell, krass und einzigartig. Und vor allem sich jeglicher kognitiven Kontrolle entziehend. Auch wenn Vorbereitungskurse, Geburtswünsche und die Auseinandersetzung damit viel Positives bewirken können, kommt es eben doch häufig anders als gedacht. Wie oft steht die Wassergeburt ganz oben auf der Wunschliste, nur damit die Gebärende feststellt, dass die Badewanne gerade nicht der richtige Ort für sie ist. Ich sehe vollgepackte Koffer für alle Eventualitäten, während am Ende oft nur die Trinkflasche gebraucht wird. Und wie oft höre ich den Satz: »Jetzt ist eh alles anders als geplant«, und nehme ihn als Zeichen dafür, dass die Geburt sich entfaltet.

Ich denke über Enttäuschungen nach und wie schmerzhaft es sein kann, wenn man sich gut auf eine Situation vorbereitet hat und sie dann ganz anders kommt. Wie schwer es sein kann, das ursprüngliche Bild los- und sich auf die Realität einzulassen. Und dann denke ich, dass vielleicht auch ein Fehlgedanke dahintersteht: der Glaube, man könne ein »Geburtserlebnis« kreieren. Dass es meine Geburt sei. Doch das stimmt nur bedingt. Es ist die Geburt des Kindes. Auf sie kann man sich vorbereiten, aber planen kann man sie nicht.

Und wenn dann alle Pläne fallen, kann ich nur sagen: Du kennst dich selbst in dieser Geburt, mit diesem Kind, noch nicht. Ob du laut bist oder leise. Ob du eine PDA möchtest oder keine. Ob du Wärme oder Kälte brauchst, Berührung oder Bewegung. Oder ob du dich vielleicht doch einmal hinlegen und entspannen willst. Also sei mutig und lass dich drauf ein.

Zitiervorlage
Bleyl, I. M. (2026). Von Plänen und Wünsche. Deutsche Hebammen Zeitschrift, 78 (10), 80.

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