Wenn Wickeltische nur auf Frauentoiletten zu finden sind, wird eine gerechte Aufteilung der Care-Arbeit erschwert. Foto: © auremar/stock.adobe.com

Wickeltische befinden sich in Deutschland vielerorts noch ausschließlich auf Frauentoiletten. Nach Ansicht des Landesfrauenrates Sachsen-Anhalt spiegeln sich darin traditionelle Rollenzuschreibungen, die eine gleichberechtigte Verteilung von Sorgearbeit im Familienalltag erschweren.

»Viele Väter übernehmen selbstverständlich einen großen Teil der Betreuung ihrer Kinder«, sagt die Gleichstellungsbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt, Sarah Schulze. Familienfreundliche Infrastruktur müsse dieser Lebenswirklichkeit Rechnung tragen.

Besserer Zugang auch für Väter

Der Landesfrauenrat verweist darauf, dass Infrastruktur nicht geschlechtsneutral sei, sondern beeinflusse, wie Care-Arbeit organisiert werde. Wenn geschlechtsunabhängig zugängliche Wickelmöglichkeiten fehlen, bleibe die Betreuungsverantwortung weiterhin vorrangig bei den Müttern.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leisten Frauen in Deutschland nach wie vor deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Aus Sicht des Landesfrauenrates können bestehende infrastrukturelle Angebote diese Ungleichverteilung verstärken.

Gefordert werden deshalb flächendeckend zugängliche Wickelmöglichkeiten in öffentlichen Einrichtungen, verbindliche Standards bei Neu- und Umbauten sowie geschlechtsunabhängige Familien- und Wickelräume. Darüber hinaus müssten bestehende Angebote sichtbarer gemacht werden.

Quelle: dpa, 11.7.2026 · DHZ