Das Darmmikrobiom der Mutter und Umweltfaktoren wirken sich offenbar auf das Darmökosystem des Kindes und dessen frühe gesundheitliche Entwicklung aus. Foto: © AI Asset Hub/stock.adobe.com
Das Darmmikrobiom der Mutter und Umweltfaktoren wirken sich offenbar auf das Darmökosystem des Kindes und dessen frühe gesundheitliche Entwicklung aus. Das Team um Trishla Sinha von der Universität Groningen liefert mit einer neuen Studie einen umfassenden Überblick über die Dynamik des Mikrobioms während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter.
Im Rahmen der niederländischen Geburtskohorte Lifelines NEXT analysierten die Forschenden 4.526 longitudinale Stuhlproben von 714 Mutter-Kind-Paaren mittels metagenomischer Sequenzierung. Die Proben wurden zwischen der 12. Schwangerschaftswoche und 1 Jahr nach der Geburt entnommen. Die Daten kombinierten die Forschenden mit 474 klinischen und umweltbezogenen Variablen sowie einer hochauflösenden Sequenzierung der Mikrobiome von Muttermilch und Vaginaltrakt.
Das Darmmikrobiom der Mutter veränderte sich während der Schwangerschaft und der postpartalen Phase nur geringfügig. Allerdings schwankte die Häufigkeit von 111 Bakterienarten im Zeitverlauf signifikant. Laut Sinha und ihrem Team wurde dies unter anderem durch die Ernährung, Infektionen und das Rauchen vor der Schwangerschaft beeinflusst.
Reservoir an Darmstämmen
Das maternale Mikrobiom stellt ein bedeutendes Reservoir für die beim Säugling vorkommenden Darmstämme dar. Ein beträchtlicher Anteil der im Darm der Säuglinge nachgewiesenen Bakterienstämme war mit Stämmen aus dem mütterlichen Darmmikrobiom identisch.
Eine Übertragung aus dem vaginalen Mikrobiom oder dem Mikrobiom der Muttermilch erfolgte hingegen nur gelegentlich. Wurde jedoch eine typischerweise mit dem Darmmikrobiom assoziierte Bakterienart in der Muttermilch oder im vaginalen Mikrobiom nachgewiesen, war die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf den Säugling besonders hoch.
Die Veränderungen des intestinalen Mikrobioms während der Schwangerschaft waren weniger ausgeprägt als in früheren Studien berichtet. Das Wissenschaftsteam führte dies auf die Eigenschaften der vergleichsweise gesunden Kohorte zurück. Diese erfasse möglicherweise nicht das gesamte Spektrum der Veränderungen des Mikrobioms, wie sie bei heterogeneren oder Risikoschwangerschaften auftreten können, beispielsweise bei übermäßiger Gewichtszunahme oder einer hohen Prävalenz von Präeklampsie.
Ansatzpunkt für Prävention
Der Austausch von Darmbakterienstämmen zwischen Mutter und Säugling war zeitabhängig. Je häufiger eine bestimmte Bakterienart im mütterlichen Darmmikrobiom vorkam, desto wahrscheinlicher war die Übertragung entsprechender Stämme auf den Säugling.
Das maternale Darmmikrobiom erwies sich außerdem als Prädiktor für Ekzeme bei den Säuglingen. Den genauen Mechanismus können die Forschenden zwar nicht erklären. Frühere Studien deuten allerdings darauf hin, dass das Darmmikrobiom der Mutter das sich entwickelnde Immunsystem des Fötus beeinflussen könnte. Dies könnte während der Schwangerschaft über mikrobielle Metaboliten oder durch die direkte Übertragung von Antikörpern beziehungsweise Zytokinen erfolgen.
Um dies zu verifizieren, sind jedoch weitere Studien in unterschiedlichen Populationen sowie Untersuchungen der zugrunde liegenden kausalen Mechanismen erforderlich. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, könnte möglicherweise präventiv am Darmmikrobiom der Mutter angesetzt werden, meint das Team um Sinha.
Auswirkung des Geburtsmodus
Die Art der Geburt und die Ernährungsweise prägten das Mikrobiom des Säuglings sowie dessen funktionelle Eigenschaften maßgeblich. Auch mütterliche Expositionen und Einflussfaktoren trugen zur Ausprägung des Mikrobioms bei.
Bei vaginal geborenen Säuglingen beobachteten die Forschenden ein bimodales Kolonisationsmuster von Bacteroides im Darm. Ein komplikationsreicherer Geburtsverlauf, darunter eine längere Geburtsphase und ein längerer Zeitraum nach dem Blasensprung, war ebenso wie eine Geburt im Krankenhaus moderat mit einer geringeren Häufigkeit von Bacteroides bei vaginal geborenen Säuglingen assoziiert.
Von den 585 vaginal geborenen Säuglingen kamen 155 zu Hause zur Welt. Eine Hausgeburt beeinflusste die Zusammensetzung des Darmmikrobioms jedoch nur in moderatem Ausmaß.
Quelle: Sinha, T., Brushett, S., Fernández-Pato, A. et al. Maternal influences on infant gut microbiome and health. Nature (2026). https://doi.org/10.1038/s41586-026-10922-9 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 13.8.2026 ∙ DHZ
