Die Empfehlung für eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten unterstreicht die langfristige Bedeutung des Stillens für Mutter und Kind. Foto: © Igor Yaruta/stock.adobe.com

In der neuen S3-Leitlinie »Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung« haben 26 wissenschaftliche Fachgesellschaften und Berufsgruppen sowie Vertreterinnen der Zielgruppe, also der Stillenden, zwei neue Empfehlungen zur Stilldauer verabschiedet:

  1.  Reifgeborene Kinder sollten in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich oder überwiegend gestillt werden.
  2. Darüber hinaus wird eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten empfohlen.

Die Leitlinie ist im Rahmen der Nationalen Strategie zur Stillförderung entstanden. Koordiniert wurde sie von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) und der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e. V. (DGHWi).

 Evidenzbasierte Empfehlungen

Die Empfehlungen beruhen auf einer systematischen Literaturrecherche und Bewertung der Evidenz nach international anerkannten Standards. Insgesamt wurden 30 gesundheitsrelevante Endpunkte bei Mutter und Kind analysiert, darunter kindliche Infektions- und Stoffwechselerkrankungen sowie Aspekte der mütterlichen Gesundheit.

Die Empfehlung zum Vollstillen über sechs Monate erhielt den Empfehlungsgrad B, der sich auf gut durchgeführte, aber nicht randomisierte klinische Studien beruft. Die Empfehlung zu einer Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten wurde mit dem Empfehlungsgrad A verabschiedet. Dazu existiert also mindestens eine randomisierte kontrollierte Studie von guter Qualität und Konsistenz.

Im internationalen Einklang

»Die systematische Auswertung der verfügbaren Studien zeigt konsistente Hinweise auf schützende Effekte eines ausschließlichen oder überwiegenden Stillens über sechs Monate«, erläutert Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, Leitlinienkoordinator der DGGG. »Ein halbes Jahr ausschließliches Stillen ist für die meisten reifgeborenen Säuglinge gesundheitlich gut abgesichert. Mit der Empfehlung einer Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten unterstreichen wir zudem die langfristige Bedeutung des Stillens für Mutter und Kind!«

Prof. Dr. Susanne Grylka, DGHWi-Leitlinienkoordinatorin, weist darauf hin, dass mit dieser Leitlinie die bisherige Diskrepanz zwischen den WHO-Guidelines und den deutschen Handlungsempfehlungen zur Stilldauer aufgelöst werden konnten. »Künftig ist klar: Längeres Stillen bringt gesundheitliche Vorteile für Mütter und ihre Kinder.«

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft, 20.2.2026 · DHZ