Die Folgen der Kassenzulassung der nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) sollen künftig systematisch durch ein Monitoring analysiert werden. Foto: © Chutipon/stock.adobe.com
Die Auswirkungen der Kassenzulassung nicht-invasiver Pränataltests (NIPT) sollen künftig mithilfe eines systematischen Monitorings untersucht werden. Hierzu verabschiedete der Bundestag den Antrag von 110 Abgeordneten aus Union, SPD, Grünen und Linken in der Fassung eines gemeinsamen Änderungsantrags.
Seit Juli 2022 gehört der NIPT nach einer Einigung des Gemeinsamen Bundesausschusses zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Voraussetzung ist zumindest, dass die Schwangere gemeinsam mit ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen zu der Einschätzung gelangt, dass der Test in ihrer individuellen Situation notwendig ist. Aus Sicht der Antragsteller hat der GBA jedoch bislang nicht hinreichend eindeutig festgelegt, unter welchen Umständen dieser Bluttest eingesetzt werden sollte.
Kein routinemäßiges Screening
Deshalb wolle man nun eine umfassende Grundlage aus Informationen, Daten und Fakten schaffen und diese durch die Unterstützung und Bewertung einer Expertenkommission ergänzen, erklärte SPD-Abgeordnete Dagmar Schmidt. Zugleich müsse sichergestellt sein, dass auch werdende Eltern mit geringem Einkommen Zugang zu notwendigen Untersuchungen erhalten und Frauen ihre Entscheidungen selbstbestimmt treffen können. Die Anwendung des Tests dürfe allerdings nicht zu einem routinemäßigen Screening führen, das den Eindruck erwecke, Menschen mit Trisomie 21 seien nicht willkommen.
Die Bedenken der Antragsteller stützen sich unter anderem auf Daten der Barmer. Diesen zufolge nutzten 2024 durchschnittlich nahezu 50 % der Schwangeren einen NIPT, während der Anteil im Vorjahr noch bei 32 % gelegen hatte. Damit habe sich der NIPT faktisch zu einem Screeningtest entwickelt, insbesondere bei älteren Frauen, erklärte die interfraktionelle Gruppe der Antragsteller.
Falsch-positive Befunde
Der Arzt Stephan Pilsinger (CSU) hob hervor, dass die Zahl invasiver pränataler Tests entgegen den Erwartungen nicht zurückgegangen, sondern sogar gestiegen sei. Darüber hinaus liege die Rate falsch-positiver Befunde im Versorgungsalltag viermal so hoch wie theoretisch angenommen. Dies sei äußerst bedenklich und könne schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. »Medizinischer Fortschritt braucht ethische Leitplanken«, forderte er.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 9.10.2026 ∙ DHZ
