Digitale Technologien prägen das Hebammenstudium zunehmend: Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR), Künstliche Intelligenz, Lern-Apps und Simulationsprogramme spielen eine wachsende Rolle. Ein früheres Scoping Review (Downer et al., 2021) hatte diese Entwicklung bereits für Studien bis 2020 abgebildet. Wie sich digitale Lehr- und Lernformate seither weiterentwickelt haben, untersucht nun ein aktuelles Literaturreview eines internationalen Autorinnenteams aus Deutschland, Australien und Neuseeland (Gray et al., 2026).
Eingeschlossen wurden 36 Publikationen aus 15 Ländern (2021 bis März 2025). Berücksichtigt wurden ausschließlich Studien mit digitalen Kernelementen. Ausgeschlossen wurden Studien zu reiner Präsenzlehre, analoger Simulation und synchronen Videokonferenzen.
Von Selbstwirksamkeit bis Cybersickness
Elf Studien berichteten eine verbesserte Wissensaneignung, weitere Studien höhere Selbstwirksamkeit, mehr Selbstvertrauen und verbesserte klinische Fertigkeiten gegenüber konventionellen Lehrformaten. Studierende bewerteten digitale Ressourcen häufig als nützlich, motivierend und einprägsam und damit förderlich für eigenständiges Lernen.
Dreizehn Studien benannten jedoch auch Herausforderungen: Sprachbarrieren, da die meisten VR-Anwendungen nur auf Englisch verfügbar sind, »Cybersickness« (Schwindel, Übelkeit), hohe Anschaffungskosten sowie unzuverlässige Internetverbindungen. Fünf Studien fanden keine signifikanten Unterschiede zwischen digitalem und konventionellem Lernerfolg.
Einschränkend verweisen die Autorinnen auf eine uneinheitliche Terminologie: Der Begriff »Virtual Reality« wurde in einigen Publikationen auch für einfache Videos oder Bildschirmpräsentationen verwendet, was Vergleiche erschwerte. Zudem blieb die die technische Umsetzung in vielen Primärstudien nur oberflächlich beschrieben.
Bedeutung für das Hebammenstudium
Digitale Technologien sind aus Sicht der Autorinnen eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für den Erwerb praktischer Fähigkeiten und den direkten Kontakt zu betreuten Frauen. Der belegte Wissenszuwachs bezieht sich überwiegend auf kurzfristige Effekte. Evidenz zur langfristigen Wirkung fehlt bislang. Die Autorinnen plädieren für eine einheitliche Terminologie und für weitere Forschung zur Langzeitwirkung, zum Ressourcenbedarf und Umweltverträglichkeit digitaler Lehrformate.
Quellen: Downer, T., Gray, M. & Capper, T. (2021). Online learning and teaching approaches used in midwifery programs: A scoping review. Nurse Educ Today, 103, 104980 ∙ Gray, M., Vogel, K., Bernloehr, A., Downer, T., Welfare, M. & Bauer, N. H. (2026). Digital teaching in midwifery education since 2021: A literature review of trends, technological advancements and challenges. Nurse Educ Pract, 94, 104900 ∙ Beate Ramsayer/DHZ
