Ultrasound scan of a pregnant woman at 8 months pregnant in the maternity ward of the hospital.

Bei der Ultraschalluntersuchung durch Hebammen soll es um die Überwachung der physiologischen Schwangerschaft gehen – nicht um Pränataldiagnostik.

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Die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) möchte die Ultraschalldiagnostik auch in Deutschland im gesamten Betreuungsbogen der Hebammen etablieren. Deshalb hat sie eine Sektion gegründet, die zu Möglichkeiten, Anforderungen und Ausbildung forscht.

Während die Ultraschalldiagnostik in anderen europäischen und außereuropäischen Ländern wie etwa in den Niederlanden, Frankreich oder Australien ein selbstverständliches Werkzeug der Hebammenarbeit ist, ist sie in den deutschsprachigen Ländern noch kaum in Hebammenhand, insbesondere in der freiberuflichen Hebammenarbeit. Dahinter stehen Vorbehalte sowohl auf ärztlicher als auch auf Hebammenseite. Während bei Hebammen unter anderem die Befürchtung besteht, die Diagnostik könnte die originären Hebammenkompetenzen bedrohen, da diese dann nicht mehr geübt würden, wird der Ultraschall als Erweiterung der Hebammenkompetenz von Ärzt:innen häufig als bedrohliche Konkurrenz wahrgenommen. Ein zentrales Anliegen der Sektion Ultraschall in der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) ist es, die Basis-Ultraschalldiagnostik als wertvolles, die originäre Hebammenarbeit ergänzendes Werkzeug auch in Deutschland im gesamten Betreuungsbogen zu etablieren und in die Ausbildung zu integrieren (siehe Kasten). Um diese Entwicklung voranzubringen, beschäftigt sich die Sektion auf wissenschaftlicher Basis mit den Möglichkeiten und Anforderungen der Ultraschalldiagnostik in der Hebammenarbeit und den notwendigen Ausbildungsinhalten. Dezidiert geht es hierbei nicht um Pränataldiagnostik, sondern um die Betreuung und Überwachung der physiologischen Schwangerschaft und den Ausschluss von Komplikationen oder Pathologien.

Sektion Ultraschall

Die Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) beschloss am 8. Februar 2024 die Gründung der Sektion Ultraschall.

Ziele und Arbeitsgebiete:

  • Wissenschaftsbasierte Auseinandersetzung mit den Einsatzmöglichkeiten der Ultraschalldiagnostik durch Hebammen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett
  • Interdisziplinärer und internationaler Austausch
  • Ethische Dimensionen des Einsatzes von Ultraschall in der Hebammenarbeit
  • Frauenzentrierter Einsatz der Ultraschalldiagnostik unter Einbezug von Aufklärung und Kommunikation auf Basis der Patient:innenrechte
  • Sicherheitsaspekte
  • Ausbildungsinhalte für die Ultraschalldiagnostik durch Hebammen.

Konsens der Sektionsmitglieder:

»Hebammen dürfen die Ultraschalldiagnostik im gesamten beruflichen Betreuungsbogen eigenverantwortlich einsetzen. Hebammen sind im Einsatz der Ultraschalldiagnostik im Rahmen ihrer Hebammenberufsordnung nicht auf ärztliche Anordnung oder Delegation angewiesen. Der Umfang der Ultraschallausbildung und Einsatz der Ultraschalldiagnostik wird durch das selbstgewählte Tätigkeitsfeld der jeweiligen Hebamme sowie durch gesetzliche Rahmenbedingungen bestimmt. Hebammen steht es frei, für alle oder spezifische Ultraschalluntersuchungen an eine andere Profession zu überweisen.

Ultraschalldiagnostik ist eine grundlegende Basiskompetenz, welche zur grundständigen Ausbildung der Hebammen gehört. Jeder Hebamme muss eine Ausbildung in der Ultraschalldiagnostik zugänglich gemacht werden, unabhängig des Vorhandenseins eines akademischen Grades. Wissenschaftliche Ergebnisse dürfen nicht durch berufspolitische Forderungen beeinflusst werden.«

> ultraschall@dghwi.de (Kontaktperson: Martina Knapp, Hebamme, B.Sc)

Wertvolles Werkzeug

Wie wertvoll der Ultraschall in Hebammenhand ist, zeigen die Arbeit und der Austausch in der Sektion, deren Mitglieder sich 2025 zusammengefunden haben. Derzeit wird eine Recherche zum internationalen Stand der Ultraschalldiagnostik durch Hebammen durchgeführt.

Hierzu einige Ergebnisse am Beispiel Neuseelands. Auch wenn die in den Leitlinien vorgesehenen Ultraschall-Scans nicht von Hebammen durchgeführt werden, verbreitet sich die informelle Nutzung des Ultraschalls dort zunehmend – insbesondere bei Hebammen, die in Kliniken arbeiten. So berichteten es die neuseeländischen Hebammen Melanie Welfare und Anne Dymond in einem persönlichen Interview Anfang Oktober 2025. Hebammen nutzen Ultraschalldiagnostik beispielsweise

  • zu Beginn der Schwangerschaft zur Terminbestimmung, zum Ausschluss von extrauteriner Gravidität, zur Diagnostik von Mehrlingen
  • im zweiten und dritten Trimenon zur Kontrolle des kindlichen Wachstums, der Fruchtwassermenge, Sitz der Plazenta
  • Während der Geburt kann der transperineale Scan hilfreich sein, um das Tiefertreten des Kopfes und die Möglichkeit einer Spontangeburt einzuschätzen; außerdem kann dieser Scan anstelle einer vaginalen Untersuchung eingesetzt werden, zum Beispiel bei Frauen, die sich nicht untersuchen lassen wollen. Sie selbst können die Ultraschall-Sonde einführen.
  • In unterversorgten Regionen der Welt, wo weder Ärzt:innen noch eine Klinik in der Nähe sind, hat der Ultraschall in Hebammenhand eine zentrale Bedeutung, um rechtzeitig Komplikationen zu diagnostizieren, die eine Geburt in der Klinik erforderlich machen (Swanson et al., 2019; Haura Taiwhenua Rural Health Network, 2025).

Die interviewten neuseeländischen Hebammen betonen die Bedeutung des Ultraschalls als wertvolle Ergänzung ihres Hebammenhandwerks und die gute Zusammenarbeit mit den Ärzt:innen. Wie entscheidend der Ultraschall in Hebammenhand insbesondere bei Frauen ohne Schwangerenvorsorge sein kann, zeigt der Fall, den eine neuseeländische Hebamme im Interview berichtet: Sie nahm eine Philippina ohne Unterlagen in der Klinik auf und entdeckte mittels Ultraschall, dass kaum mehr Fruchtwasser das Ungeborene umgab – eine Diagnose, die sie so klar nicht hätte stellen können. Die hinzugezogene Ärztin setzte eine Sectio an, die lebensrettend war.

Ultraschall im Kontext von Abortion Care

Ein weiterer wichtiger Arbeitsbereich für Hebammen ist die Bestätigung der Schwangerschaft durch Ultraschall als Voraussetzung für einen Schwangerschaftsabbruch, besondere in Regionen mit einer geringen Dichte von gynäkologischen Praxen. Das gilt zum Beispiel für die Abortion Care in Neuseeland, wo viele Frauen bis zu vier Wochen auf einen Termin zur Bestätigung ihrer Schwangerschaft warten müssen. Um eine gerechte Versorgung aller Frauen zu sichern, hat der New Zealand Midwifery Council im September 2023 deshalb beschlossen, dass registrierte Hebammen Ultraschall-Scans in der frühen Schwangerschaft durchführen dürfen, wenn sie einen anerkannten Kurs absolviert haben und sich weiterhin an Zertifizierungen beteiligten. Damit wurde der Ultraschall offiziell als Tätigkeitsbereich von Hebammen in Neuseeland anerkannt (New Zealand Midwifery Council, 2023).

Da auch in Deutschland zunehmend gynäkologische Praxen schließen und Frauen in einigen Regionen vor denselben Schwierigkeiten stehen, müssen wir damit rechnen, dass auch hier die Ultraschallkompetenz von Hebammen für die Ermöglichung von Schwangerschaftsabbrüchen zunehmend wichtiger wird. Gut, wenn es dann für Frauen in dieser Notlage möglich ist, eine Hebamme aufzusuchen.

Zitiervorlage
Ensel, A. (2026). Die Sektion Ultraschall in der DGHWi: In Hebammenhand. Deutsche Hebammen Zeitschrift, 78 (3), 38–39.
Literatur
Haura Taiwhenua Rural Health Network. (2025). Bridging the Ultrasound Gap – New Ultrasound Training Project for Rural Midwives. https://htrhn.org.nz/news-media/bridging-the-ultrasound-gap-new-ultrasound-training-project-for-rural-midwives/

New Zealand College of Midwives. (2006). Consensus Statement: Midwives Using Ultrasound. https://www.midwife.org.nz/wp-content/uploads/2019/05/Midwives-Using-Ultrasound.pdf

Midwifery Council of Aoteaora New Zealand. (2023). Statement on Midwifery Led Ultrasound. Basic Early Ultrasound – For Midwives. https://www.midwiferycouncil.health.nz/common/Uploaded%20files/About%20Us/Statement%20on%20Midwifery%20Led%20Ultrasound%20Basic%20Early%20Ultrasound%20-%20For%20Midwives.pdf

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