Illustration: © Birgit Heimbach

Wir müssen mal über die »friedliche Geburt« reden. Was meint das eigentlich? Beschrieben wird sie als Geburtskonzept, das sich auf Hypnosetechniken für Schwangerschaft und Geburt zur Minderung von Geburtsängsten und -schmerzen konzentriert. Über Onlinekurse lässt sie sich gegen Aufpreis bequem vom Sofa aus erlernen.

Gleich vorab: Es gibt bestimmt Frauen, denen sie eine Unterstützung sein kann, und daran ist auch nichts falsch. Trotzdem möchte ich als Hebamme ein paar Gedanken teilen und vielleicht ein wenig provozieren.

Erst mal: Wie sieht es denn aus, wenn die »friedliche Gebärende« den Kreißsaal betritt? Eine Kollegin meinte letztens: »Und dann kam sie mit ihrer Maske.« Auf meine Nachfrage fuhr sie fort: »Na, mit einer Schlafmaske. So kommen sie doch mit der friedlichen Geburt: Schlafmaske und Kopfhörer.« Über diese läuft dann der »friedliche Geburt«-Soundtrack, der in monotoner Stimme vom Erweichen des Muttermunds spricht und in säuselndem Ton dazu animiert, auf den »Wellen durch die Geburt zu surfen«.

Mich beschäftigt etwas anderes viel mehr als Schlafmasken und Kopfhörer. Ich wurde schon häufiger gebeten, gar nicht oder nur wenig mit der Gebärenden selbst zu sprechen – oder wenn, dann nur mit der Begleitung. Und ich bin auch nicht die einzige Hebamme, die schon aufgefordert wurde, »einfach zu machen«, um die Hypnose nicht zu stören. Einfach machen? Das hat einen komischen Beigeschmack. Vaginale Untersuchungen durchführen, Herztöne kontrollieren, Vitalzeichen messen, unterstützende Maßnahmen vorschlagen… »Einfach machen« heißt: Ich darf an der Frau arbeiten, aber nicht mit ihr. Die Hebamme als Störenfried der Geburt soll ihre Dienstleistung verrichten, den Prozess aber möglichst nicht beeinflussen. Das irritiert mich – und verwehrt sich meinem Selbstverständnis von »Mit-einander«.

Jetzt könnte jemand rufen: »Aber die Autonomie der Frau! Wenn sie es sich wünscht, musst du das doch respektieren!« Und es klingt ja auch nett, so im Gewande des »Friedlichen« durch die Geburt hypnotisiert zu werden. Doch nach meiner Erfahrung fliegen die Kopfhörer meist bei (fast) vollständigem Muttermund aus den Ohren. Und dann steht dieser zutiefst leibliche Prozess der Geburt vor der Tür. Da kann ich nur hoffen, dass die Frau sich nicht plötzlich in einem gänzlich unbekannten Raum mit einer ihr unvertrauten Hebamme wiederfindet.

Ich weiß: Eine Geburt kann etwas sehr Friedliches haben. Doch wer sich darunter ein sanftes Seufzen vorstellt, verkennt die Kraft, die dahintersteht. Daher hier mein Gegenvorschlag: Kraftvolle Geburt. Starke Geburt. Leiblich. Real. Wie würdest du es nennen?

Zitiervorlage
Bleyl, I. M. (2026). Kopfhörer auf, Hebamme aus? Deutsche Hebammen Zeitschrift, 78 (11), 88.

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