Die neue Leitlinie richtet sich an Gynäkologe:innen und an weitere Fachdisziplinen, die Frauen und Paare mit wiederholten Fehlgeburten betreuen. Foto: © iStock.com/seb_ra

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hat ihre S2k-Leitlinie »Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten« aktualisiert. Sie richtet sich vor allem an Gynäkologen sowie an weitere Fachdisziplinen, die Frauen und Paare mit wiederholten Fehlgeburten betreuen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO liegen wiederholte Spontanaborte (WSA) bei drei oder mehr aufeinanderfolgenden Fehlgeburten vor. Der Leitlinie zufolge kann eine umfassendere Abklärung jedoch bereits nach zwei Fehlgeburten sinnvoll sein. Ob eine weiterführende Diagnostik angezeigt ist, sollte individuell entschieden werden.

Neuer Schwerpunkt: männliche Faktoren

Die Ursachen wiederholter Spontanaborte sind vielfältig. Die Leitlinie berücksichtigt unter anderem genetische und anatomische Faktoren, endokrinologische Erkrankungen, das Antiphospholipid-Syndrom, Lebensstilfaktoren und psychische Belastungen. Ein besonderer Schwerpunkt der aktualisierten Fassung liegt auf männlichen Faktoren.

Damit unterstreicht das Leitlinienteam nach eigenen Angaben, dass wiederholte Fehlgeburten nicht ausschließlich als Problem der Frau betrachtet werden sollten. Auch beim Mann könnten Faktoren wie bestimmte Veränderungen der Samenqualität oder der Spermien-DNA für die individuelle Abklärung relevant sein.

Auch der genetischen Untersuchung des Abortmaterials kommt bei wiederholten Spontanaborten eine wichtige Bedeutung zu. Liegen keine entsprechenden Befunde vorangegangener Fehlgeburten vor, soll eine zytogenetische Untersuchung erfolgen. Die Ergebnisse können dabei helfen, die weitere Diagnostik gezielter zu planen – etwa wenn eine Chromosomenveränderung festgestellt wird.

Psychische Belastung

Neben der körperlichen Diagnostik rückt die Leitlinie auch die psychische Situation der betroffenen Frauen und Paare in den Mittelpunkt. Wiederholte Fehlgeburten können mit erheblichen Ängsten und psychischen Belastungen einhergehen. »Eine gute Versorgung sollte diese Belastungen ernst nehmen und bei Bedarf psychosomatische oder psychotherapeutische Unterstützung einbeziehen«, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

Die Betreuung von Paaren mit wiederholten Spontanaborten erfordert häufig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Neben der Gynäkologie und Reproduktionsmedizin können laut der Leitlinie unter anderem die Humangenetik, Urologie und Andrologie, Endokrinologie, Innere Medizin, Dermatologie, Sexualmedizin und Psychosomatik beteiligt sein.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 31.8.2026 ∙ Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). (2026). S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-050 ∙ DHZ