Maike Lammert würde sich über interessierte Mütter aus der Region Ostwestfalen freuen, die sich als Interviewpartnerinnen zur Verfügung stellen und unter www.frühchen-studie.de mehr Informationen finden können. Foto: © K. Schradi/HSBI

Rund 8 % aller Kinder werden in Deutschland zu früh geboren. Für die Familien bedeutet dies häufig eine emotional und organisatorisch belastende Zeit. Doch während die medizinische Versorgung des Kindes im Mittelpunkt steht, geraten die Bedürfnisse der Mutter oftmals in den Hintergrund, so Maike Lammert, Hebamme und Doktorandin an der Hochschule Bielefeld (HSBI).

Inhalt der Doktorarbeit

In ihrer Dissertation untersucht Lammert die Erfahrungen von Müttern extrem frühgeborener Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 g. »Die Erfahrungen mit einem gesunden, reif geborenen Kind sind bereits überwältigend, oft schön, aber auch fordernd. Ich habe mich gefragt, wie dies für Mütter sein muss, die ein extrem früh geborenes Kind zur Welt bringen. Was geht in ihnen vor? Welche positiven und negativen Erfahrungen machen sie beispielsweise mit Hebammen und anderem Gesundheitspersonal? Und was lässt sich verbessern?«

Die zentrale These ihrer Forschung lautet, dass diese Mütter andere und intensivere Unterstützung benötigen als Mütter reif geborener Kinder.

Besonders wichtig seien eine offene Kommunikation, die Berücksichtigung der psychischen Belastung der Mutter sowie die stärkere Einbeziehung der Familie. Hebammen könnten dabei als Ansprechpartner:innen und Lots:innen eine zentrale Rolle übernehmen. Zudem betont Lammert die Bedeutung einer kontinuierlichen Unterstützung bei der oft herausfordernden Muttermilchgewinnung, frei von Leistungsdruck.

Aufbau der Studie

Grundlage der Studie sind 30 Interviews mit Müttern frühgeborener Kinder. Dabei zeigte sich, dass viele Frauen dankbar für die Möglichkeit sind, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Gleichzeitig berichten zahlreiche Teilnehmerinnen von anhaltenden emotionalen Belastungen und dem Gefühl, mit ihren Sorgen häufig alleingelassen zu sein. Auch im weiteren Verlauf der Studie plant Lammert, die Mütter einzubeziehen, um die Erlebnisse gemeinsam zu interpretieren und Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren. Die abschließenden Studienergebnisse sollen von den Teilnehmerinnen zudem mittels Fragebogen bewertet werden.

Aktuell trifft Lammert eine Auswahl der Teilnehmerinnen. Interessierte Mütter aus Ostwestfalen können sich weiterhin beteiligen und unter www.frühchen-studie.de weitere Informationen erhalten. Nach Plan sollen die Forschungsergebnisse in etwa zwei Jahren vorliegen.

 

Quelle: Hochschule Bielefeld, 18.8.2026 · DHZ