Viele Frauen leiden nach einem Kaiserschnitt unter Schmerzen, die sich auf körperliche Funktionen, Schlaf, Stimmung, Müdigkeit und sexuelles Wohlbefinden niederschlagen können. Foto: © dtatiana/stock.adobe.com
Chronische postoperative Schmerzen nach dem Kaiserschnitt sind eine wichtige Ursache für postpartale Morbidität, doch ihre Auswirkungen auf die Lebensqualität der Mutter sind noch nicht vollständig erfasst. Ziel einer systematischen Übersichtsarbeit war es deshalb, die Auswirkungen chronischer postoperativer Schmerzen auf die Lebensqualität zu bewerten, einschließlich möglicher zeitlicher Veränderungen der Auswirkungen von Schmerzen auf körperliche Funktionen, Schlaf, Stimmung, Müdigkeit und sexuelles Wohlbefinden.
Methoden und Ergebnisse
Durch eine umfassende Datenbankübersicht wurden Studien identifiziert, die über Lebensqualitätsergebnisse ab drei Monate nach einem Kaiserschnitt bei Frauen mit anhaltenden postoperativen Schmerzen berichteten. Eingeschlossen wurden dann 30 Studien mit 28.295 Frauen aus 22 Ländern, die über chronische postoperative Schmerzen begleitet von anhaltenden Störungen der täglichen Aktivität, des Schlafs, der Stimmung und der Energie berichtet hatten.
Im Lauf der Zeit wandelten sich die Belastungen: Aktivitätsbezogene Beeinträchtigungen waren drei Monate nach der Geburt (54 %) ausgeprägter und stimmungsbedingte Belastungen nach sechs und zwölf Monaten (53 % bzw. 68 %). Die Müdigkeit verbesserte sich zwischen sechs und zwölf Monaten nur gering. Postpartale Depressionen waren im ersten Jahr häufig (7–46 %), und depressive Symptome sowie Müdigkeit waren häufig mit chronischen postoperativen Schmerzen verbunden.
Auch ein Jahr nach der Geburt beeinträchtigten chronische Schmerzen bei einigen Frauen weiterhin Aktivitäten, Schlaf und Stimmung. 5–23 % berichteten, dass Geschlechtsverkehr ihre Beschwerden verstärkte.
Begrenzte Vergleichbarkeit
Limitationen des Reviews lagen darin, dass die meisten Studien Beobachtungsstudien waren und ein Großteil nicht darauf ausgelegt war, die Lebensqualität zu erfassen. Chronische Schmerzen wurden unterschiedlich definiert, Maßstäbe für die Lebensqualität waren zum Teil nicht validierter oder studienspezifisch und die Nachbeobachtungszeiten variierten, was eine quantitative Zusammenführung und einen Vergleich der Ergebnisse erschwerte.
Diskussion und Auftrag
»In den ersten Monaten nach der Geburt scheint die Wirkung chronischer Schmerzen stärker durch Einschränkungen der körperlichen Funktion geprägt zu sein, während emotionale und psychologische Folgen mit der Zeit stärker in den Vordergrund treten«, kommentiert Studienleiterin Sarah Ciechanowicz vom University College Londo. Daher sei es entscheidend, multidisziplinäre Strategien zu entwickeln, um Frauen zu unterstützen und ihre langfristige Erholung nach der Geburt zu verbessern.
Außerdem müsse man gefährdete Frauen frühzeitig identifizieren. Immerhin geben 15–17 % an, unter chronischen postoperativen Schmerzen nach einem Kaiserschnitt zu leiden. Ebenso müsse man routinemäßig erfassen, wie sich Schmerzen nach einem Kaiserschnitt auf den Alltag und die psychische Gesundheit auswirken.
Quelle: Alwahabi, S., Joy, R. R., Marshall, P., Blake, L., Carvalho, B., Sultan, P., & Ciechanowicz, S. (2026). Burden of chronic postsurgical pain after caesarean delivery on maternal quality of life: a systematic review. Anaesthesia, 10.1111/anae.70362. Advance online publication. https://doi.org/10.1111/anae.70362 · Deutsches Ärzteblatt, 15.10.2026 · DHZ
