Durch die Gabe eines Probiotikums mit mehreren Bakterienstämmen verringert sich bei Frühgeborenen wohl die Inzidenz einer Nekrotisierenden Enterokolitis (NEC). Foto: © iStock.com/tioloco

Bei Frühgeborenen reduziert die Einführung eines Probiotikums mit mehreren Bakterienstämmen offenbar die Inzidenz einer nekrotisierenden Enterokolitis (NEC). Dies unterstützt nach Einschätzung der Forschenden aus Rotterdam den Einsatz von Probiotika zur NEC-Prävention. Die Auswirkungen auf weiter gefasste Mortalitätsendpunkte bleiben jedoch unklar. Die NEC ist eine schwere gastrointestinale Erkrankung, von der vor allem Frühgeborene betroffen sind. Sie zählt zu den wichtigsten Ursachen für neonatale Morbidität und Mortalität.

Mikrobielles Ungleichgewicht

Eine zentrale Rolle bei der Entstehung der NEC spielt die Dysbiose. Sie ist durch ein mikrobielles Ungleichgewicht gekennzeichnet, bei dem nützliche Bakterien wie Bifidobakterien oder Laktobazillen abnehmen und sich potenziell pathogene Keime wie Enterobacteriaceae vermehren. Probiotika könnten einer NEC vorbeugen, indem sie das mikrobielle Gleichgewicht wiederherstellen und pathogene Keime zurückdrängen. Gleichzeitig bestehen Sicherheitsbedenken, unter anderem wegen seltener Fälle einer probiotikaassoziierten Sepsis.

Die Europäische Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung empfiehlt bestimmte Bakterienstämme und rät von anderen ab (van den Akker et al., 2020). Seit 2019 ist die Kombination aus Bifidobacterium infantis Bb-02, Bifidobacterium lactis BB-12 und Streptococcus thermophilus TH-4 in Europa verfügbar.

Inzidenz sinkt stark

Das Team aus Rotterdam untersuchte den Zusammenhang zwischen der Einführung dieser Probiotika Formulierung und der NEC-Inzidenz bei Frühgeborenen in einem Hochrisiko Setting an zwei neonatologischen Intensivstationen. Hierfür werteten die Forschenden retrospektiv die Daten von 1.413 Neugeborenen mit einem Gestationsalter von weniger als 30 Wochen und/oder einem Geburtsgewicht <1.000 Gramm aus.

Die Frühgeborenen wurden zwei Gruppen zugeordnet: Eine Gruppe umfasste Kinder, die vor der Einführung der Probiotika-Formulierung geboren worden waren, die andere Kinder, die danach zur Welt gekommen waren.

Nach der Einführung der Probiotika ging die NEC-Inzidenz von 11,9 % auf 5,3 % zurück. Dies entsprach einem um gut 51 % reduzierten NEC-Risiko. Die Gesamtmortalität blieb vor und nach der Einführung der Probiotika mit 11,7 % versus 11,5 % weitgehend unverändert. Die nicht durch NEC bedingte Sterblichkeit nahm hingegen von 7,2 % auf 9,6 % zu.

Bei Frühgeborenen unter der 28 Schwangerschaftswoche zeigten sich ähnliche Entwicklungen, berichtet die Gruppe um Imren. Ein Fall einer mit Probiotika-assoziierten Sepsis wurde beobachtet.

Die nicht NEC-bedingten Todesfälle gingen auf unterschiedliche Ursachen zurück. Dazu zählten eine persistierende pulmonale Hypertonie des Neugeborenen (PPHN), perinatale Asphyxie sowie kardiale und neurologische Gründe. Nach Einschätzung der Forschenden waren diese Todesfälle mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht unmittelbar auf die Probiotikagabe zurückzuführen.

Quelle: Imren, C., Jongejans, V., Onland, W., et al. (2026). Probiotic implementation and necrotizing enterocolitis risk in preterm infants. JAMA Network Open, 9(8), e2631601. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2026.31601 ꞏ van den Akker, C. H. P., van Goudoever, J. B., Shamir, R., Domellöf, M., Embleton, N. D., Hojsak, I., Lapillonne, A., Mihatsch, W. A., Berni Canani, R., Bronsky, J., Campoy, C., Fewtrell, M. S., Fidler Mis, N., Guarino, A., Hulst, J. M., Indrio, F., Kolaček, S., Orel, R., Vandenplas, Y., Weizman, Z., & Szajewska, H. (2020). Probiotics and preterm infants: A position paper by the European Society for Paediatric Gastroenterology Hepatology and Nutrition Committee on Nutrition and the European Society for Paediatric Gastroenterology Hepatology and Nutrition Working Group for Probiotics and Prebiotics. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 70(5), 664-680. https://doi.org/10.1097/MPG.0000000000002655 ꞏ Deutsches Ärzteblatt, 1.9.2026 ꞏ DHZ