Eine MRT-Studie liefert Hinweise darauf, dass die Plazenta eigenständige Kontraktionen ausführt. Foto: © iStock.com/windcatcher

Eine aktuelle MRT-Studie deutet darauf hin, dass die Plazenta eigenständig kontrahieren kann. Diese Kontraktionen scheinen unabhängig von denen des Uterus aufzutreten und wurden bei etwa 60 % gesunder Schwangerer beobachtet.

Braxton-Hicks-Kontraktionen, also spontane Kontraktionen der Gebärmutter, sind seit Langem als normaler Bestandteil der Schwangerschaft bekannt. Bislang wurde die Plazenta dabei als passives Organ angesehen, das lediglich die Formveränderungen des Uterus mitvollzieht. Die vorliegenden Daten sprechen jedoch dafür, dass sie selbst aktiv kontrahieren kann.

An der Untersuchung nahmen 36 gesunde Schwangere im dritten Trimenon (29. bis 42. Schwangerschaftswoche) teil. Der Uterus wurde mithilfe der Magnetresonanztomografie jeweils über einen Zeitraum von 15 bis 32 Minuten aufgezeichnet. Anschließend identifizierte eine automatisierte Bildanalyse die Kontraktionen und unterschied zwischen Kontraktionen des Uterus und der Plazenta.

Kugelige Plazenta deutet auf Kontraktion hin

Bei 60 % der Teilnehmerinnen wurden Plazentakontraktionen registriert. Sie traten mit einer Häufigkeit von etwa zwei pro Stunde auf und dauerten im Median 2,4 Minuten. Im Vergleich zu Kontraktionen des Uterus waren sie mit stärkeren Formveränderungen der Plazenta verbunden und hielten länger an.

Unabhängig vom Kontraktionstyp kam es zu einem Anstieg des MRT-Parameters R2*, der mit einem erhöhten Anteil desoxygenierten Blutes in der Plazenta in Zusammenhang steht. Morphologische Merkmale ermöglichten die Unterscheidung zwischen Uterus- und Plazentakontraktionen. Besonders auffällig war dabei eine stärkere Kugelform der Plazenta während einer Plazentakontraktion.

Alle Studienteilnehmerinnen brachten ein gesundes Kind mit einem Geburtsgewicht oberhalb der 10. Perzentile zur Welt. Anzeichen für eine Plazentadysfunktion, etwa Präeklampsie oder eine fetale villöse Malperfusion, wurden nicht festgestellt.

Die Aussagekraft der Studie ist durch die geringe Zahl der Teilnehmenden und die kurze Dauer der MRT-Untersuchungen eingeschränkt. So seien unter anderem keine Aussagen über längerfristige Kontraktionsmuster möglich, schreiben die Autor:innen um Louise Dewick von der University of Nottingham. Zudem habe sich bei nicht allen Frauen das Auftreten beider Kontraktionstypen erfassen lassen.

Möglicher zukünftiger Komplikationsmarker

Dennoch betrachten die Forschenden ihre Ergebnisse als Grundlage für weitere Untersuchungen der Plazentafunktion. In einer bereits laufenden Langzeitstudie prüfen Dewick und ihr Team, ob sich Häufigkeit und Charakter der Plazentakontraktionen bei komplizierten Schwangerschaften – beispielsweise bei fetaler Wachstumsrestriktion oder Präeklampsie – verändern.

Quelle: Dewick, L., Turnbull, A., Walker, K., Jones, N., Hutchinson, G., Bradley, C., Ferdous, T., Razzaque, A., Li, R., Chen, X., Figueredo, G., Platt, C., Peres, C., & Gowland, P. (2026). Placental contractions in uncomplicated pregnancies. PLOS ONE, 21(4), e0344388. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0344388  ∙ Deutsches Ärzteblatt, 4.6.2026 ∙ DHZ