Gute Händedesinfektion schützt Frühgeborene und kranke Neugeborene ebenso gut vor Krankenhausinfektionen wie zusätzliche Schutzkleidung und Handschuhe. Foto: © Robert Poorten/stock.adobe.de

Weil Frühgeborene und kranke Neugeborene anfällig für Infektionen sind, werden auf neonatologischen Intensivstationen neben der Händedesinfektion meist auch Schutzkleidung und Handschuhe verwendet. Ob darin überhaupt ein Vorteil liegt, hat nun ein deutsches Forschungsteam untersucht und in der sogenannten BALTIC-Studie im Fachmagazin JAMA Network Open veröffentlicht.

Forschungsfrage und Studiendesign

Christoph Härtel, Direktor der Kinderklinik am Uniklinikum Würzburg, erläutert die Forschungsfrage: »Wir wollten wissen, ob eine konsequente Händedesinfektion allein genauso wirksam ist wie eine Kombination aus Händedesinfektion, Schutzkittel und Einmalhandschuhen.« Denn die Schutzkleidung sei teuer, belaste die Umwelt und koste beim An- und Ausziehen viel Zeit. »Die Schutzkleidung kann den direkten Kontakt zum Kind verringern, ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln und möglicherweise sogar die Qualität der Händedesinfektion beeinträchtigen«, gibt Härtel zu bedenken.

Die cluster-randomisierte klinische BALTIC-Studie wurde von 2020 bis 2023 in zwölf deutschen neonatalen Intensivstationen durchgeführt, wo Neugeborene mit hohem Risiko für Infektionen mit gramnegativen Bakterien betreut werden. Dabei galt in allen Kliniken jeweils im ersten Jahr die übliche Praxis mit Kitteln, Handschuhen und Händedesinfektion, während im zweiten Jahr die konsequente Händedesinfektion im Mittelpunkt stand.

Ergebnisse

Die Forschenden analysierten die klinischen Verläufe bei 9.731 Neugeborenen mit einem hohen Risiko für Infektionen durch gramnegative Bakterien, die gegen Cephalosporine der 3. Generation resistent sind.

In den Zeiten mit Standardhändedesinfektion entwickelten 22 von 4.699 Neugeborenen eine gramnegative Blutstrominfektion (0,5 %; 95-%-Konfidenzintervall: [0,43; 0,38]). In den Zeiten mit erweiterten Barrieremaßnahmen waren es 25 von 5.032 Neugeborenen, ebenfalls 0,5 %. Die Risikodifferenz betrug −0,03 %. Dass die alleinige Händedesinfektion nicht weniger wirksam war, konnte damit statistisch signifikant belegt werden (P<0,001).

Fazit

Das Forschungsteam resümiert, dass eine konsequente Händehygiene für einen guten Infektionsschutz entscheidend ist. Bei der Routineversorgung bestimmter Kinder könne das Pflegepersonal auf zusätzliche Schutzkleidung verzichten.

»Insgesamt sprechen die Ergebnisse der BALTIC-Studie dafür, künftig stärker auf gezielte und wissenschaftlich belegte Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle zu setzen. Dadurch könnten personelle und materielle Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen entfalten«, betont die Erstautorin Kirstin Barbara Faust, Oberärztin in der Neonatologie der Universitätskinderklinik Lübeck.

Quelle: Faust, K., Strecker, F., Haug, C., Felderhoff-Müser, U., Stein, A., Jensen, R., Fortmann, M. I., Marißen, J., Silwedel, C., Brebach, K., Frommhold, D., Wieg, C., Hillebrand, G., Naust, B., Schmidt, E., Koch, L., Schmidtke, S., Simon, A., Zemlin, M., Meyer, S., … Härtel, C. (2026). Extended Barrier Precautions vs Hand Hygiene Alone and Neonatal Sepsis in Intensive Care Patients: The BALTIC Cluster-Randomized Clinical Trial. JAMA network open9(5), e2612759. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2026.12759 · Deutsches Ärzteblatt, 1.7.2026 · DHZ