HSBI-Studierende der Angewandten Hebammenwissenschaft und Medizinstudierende der Uni Bielefeld erhalten durch gemeinsame Lehre einen Perspektivwechsel. Foto: © P. Pollmeier/HSBI
Wie kann eine professionelle Zusammenarbeit im späteren Berufsalltag schon während des Studiums vorbereitet werden? Studierende der angewandten Hebammenwissenschaft und der Medizin haben sich während der interprofessionellen Woche an der HSBI und der Universität Bielefeld intensiv über gemeinsame Versorgungskonzepte, Rollenverständnisse und Schnittstellen in der Geburtshilfe ausgetauscht. Dabei lernten sie die Perspektiven und Aufgabenbereiche der jeweils anderen Profession kennen – ein Mehrwert, der in die spätere Berufspraxis hineinwirken soll.
Gemeinsame Lehre stärkt Perspektivwechsel
Bereits zum dritten Mal fand das Format im Wintersemester statt. Ziel ist es, durch gemeinsame Lehre und anregende Diskussionen den Blick für andere Berufsgruppen zu öffnen und die Versorgung von Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen sowie ihren Familien langfristig zu verbessern. Das praxisintegrierte Hebammenstudium an der HSBI verbindet theoretische Anteile mit Praxiseinsätzen bei freiberuflichen Hebammen und in kooperierenden Kliniken in Minden und Paderborn. Die interprofessionellen Tage (IPL) sind im fünften Semester verankert.
Themenwoche von Ethik bis Frühgeborenenversorgung
Das Programm der diesjährigen IPL-Woche umfasste Ethik, Reproduktionsmedizin und Chirurgie. Ein Schwerpunkt lag auf der kooperativen Schwangerenvorsorge: Zwei Gastdozentinnen – eine Gynäkologin und eine Hebamme aus Bielefeld – berichteten aus ihrem gemeinsamen Arbeitsalltag. In Kleingruppen diskutierten die Studierenden anschließend über professionelle Zusammenarbeit in der Geburtshilfe. Zum Abschluss ging es um die Versorgung und Begleitung von Frühgeborenen und deren Familien.
Austausch als zentraler Bestandteil
Für viele Studierende war insbesondere der persönliche Dialog wichtig. Neben fachlichen Fragen standen Studienwahl, Motivation und Berufsrolle im Mittelpunkt. Ein Höhepunkt des Studiums bleibt der Besuch des Skills Labs, in dem praktische Fertigkeiten zunächst in geschützter Umgebung erprobt werden, bevor sie in die klinische Praxis übertragen werden. Die interprofessionelle Lehre ermöglicht Studierenden beider Professionen Einblicke in die jeweilige Denk- und Arbeitsweise. Dies fördert Vertrauen, erleichtert gemeinsame Entscheidungen und verbessert die Versorgungsqualität. Die Initiatorinnen betonen, dass ein Verständnis der Rollen und Kompetenzen aller Beteiligten besonders im aktuellen Kontext von Fachkräftemangel und wirtschaftlichen Herausforderungen im Gesundheitswesen an Bedeutung gewinnt.
Berufspolitik im Fokus
Auch politische Entwicklungen spielten eine Rolle. Der seit dem 1. November 2025 geltende Hebammenhilfevertrag verändert die Abrechnung freiberuflicher Leistungen deutlich. Nach Berichten aus der Praxis bedeutet dies für viele Hebammen geringere Einnahmen bei gleicher Verantwortung – ein Umstand, der unter den Studierenden für Verunsicherung sorgt. Im Studium werden die neuen Abrechnungsmodalitäten ausführlich thematisiert; privat diskutieren die Studierenden die daraus entstehenden beruflichen Perspektiven intensiv.
Quelle: Universität Bielefeld, 26.2.2026 · DHZ
