Ein erhöhtes Geburtsgewicht steht bei Kindern in Zusammenhang mit einem gesteigerten Risiko, im späteren Lebensverlauf an Multiple Sklerose (MS) zu erkranken. Foto: © New Africa/stock.adobe.com
Ein hohes Geburtsgewicht bei Kindern geht mit einem erhöhten Risiko einher, im späteren Leben an Multipler Sklerose (MS) zu erkranken. Als hohes Geburtsgewicht (LGA, large for gestational age) gilt ein Gewicht oberhalb der 90. Perzentile.
Wie Forschende um Katrin Wolfova vom Presbyterian Hospital in New York in JAMA Neurology berichten, zeigt sich zudem ein Zusammenhang zwischen mütterlichem Diabetes und einem späteren MS-Risiko der Kinder. Ein niedriges Geburtsgewicht (SGA, small for gestational age; Gewicht unterhalb der 10. Perzentile) war in der US-Studie dagegen mit einem reduzierten MS-Risiko verbunden.
Für ihre Untersuchung wertete das Team Daten aus mehreren norwegischen Registern aus. Berücksichtigt wurden 1.303.802 Lebendgeburten in Norwegen aus den Jahren 1967 bis 1989, von denen 1.166.731 in die endgültige Analyse eingingen.
Verlauf des Body-Mass-Index
Nach 2009 hatten insgesamt 4.295 Personen eine MS-Diagnose erhalten. Nach Anpassung an mögliche Störfaktoren ergab sich für LGA eine Hazard Ratio (HR) von 1,13 (95-%-Konfidenzintervall: [1,03; 1,25]) und für SGA eine HR von 0,88 ([0,78; 0,98]).
Als mögliche Erklärung für die beobachteten Zusammenhänge führen die Forschenden unterschiedliche Verläufe des Body-Mass-Index (BMI) bei SGA- und LGA-Kindern an. Diese könnten das MS-Risiko beeinflussen. So ist LGA mit einer frühen Gewichtszunahme und Adipositas im Kindesalter verbunden – einem etablierten Risikofaktor für MS.
Für SGA ist die Datenlage weniger klar. Mehrere Untersuchungen weisen in dieser Gruppe auf einen niedrigeren BMI im Kindesalter hin, was zu einem geringeren MS-Risiko beitragen könnte. Denkbar ist zudem ein sensibles Zeitfenster in der frühen Entwicklung, in dem Körperfett einen besonders starken Einfluss auf das MS-Risiko ausübt – Effekte, die spätere Veränderungen des BMI womöglich nicht mehr vollständig kompensieren können.
Diabetes als Risiko
Ein mütterlicher Diabetes war mit einem mehr als verdoppelten MS-Risiko assoziiert (HR 2,15 [1,37; 3,37]). Der zugrunde liegende Mechanismus ist nach Angaben des Forschungsteams bislang ungeklärt. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Exposition gegenüber mütterlicher Hyperglykämie durch eine veränderte Programmierung des Immunsystems dauerhafte immunologische Veränderungen bewirkt.
Alternativ könnte mütterlicher Diabetes ein höheres Geburtsgewicht sowie einen erhöhten BMI im Kindesalter begünstigen. Dadurch könnte sich das MS-Risiko etwa über chronische niedriggradige Entzündungsprozesse oder niedrigere zirkulierende Spiegel von Vitamin-D-Metaboliten erhöhen, so die Forschenden.
Kein Zusammenhang mit MS zeigte sich hingegen für Frühgeburtlichkeit, vorzeitige Plazentaablösung oder hypertensive Schwangerschaftserkrankungen.
Quelle: Wolfova, K., Engdahl, B.L., Horn, J., et al. Maternal Pregnancy Outcomes and Offspring Risk of Adult-Onset Multiple Sclerosis. JAMA Neurol. 2026;83(2):153–160. doi:10.1001/jamaneurol.2025.5255. ∙ Deutsches Ärzteblatt, 13.02.2026 ∙ DHZ
